Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) leistet dem Versicherungsnehmer eine vertraglich vereinbarte Rente, falls dieser aufgrund einer Erkrankung dauerhaft seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann. Wichtig ist hierbei die Abgrenzung: Die BU sichert primär gegen krankheitsbedingte Einschränkungen ab, die voraussichtlich länger als sechs Monate andauern. Zur Anerkennung des Versicherungsfalles ist in der Regel ein detailliertes ärztliches Gutachten erforderlich, das den Grad der Beeinträchtigung feststellt.
Abstrakte Verweisung und Tarifgestaltung
Je nach Vertragsgestaltung wird die Rente gezahlt, sobald die Berufsunfähigkeit in Bezug auf die konkret ausgeübte und erlernte Tätigkeit eintritt. Besteht dieser Schutz nicht explizit, behält sich die Versicherung oft das Recht der „abstrakten Verweisbarkeit“ vor. Das bedeutet, der Versicherte könnte auf eine andere, zumutbare Tätigkeit verwiesen werden, die er trotz seiner Einschränkungen noch ausüben kann. Um dieses Risiko auszuschließen, sollte im Vertrag unbedingt auf die abstrakte Verweisung verzichtet werden. Ein solcher Verzicht führt zwar zu höheren Versicherungsprämien, bietet jedoch eine deutlich verlässlichere Absicherung des erreichten Lebensstandards.
Die BU als essenzielle private Vorsorge
Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt heute zu den wichtigsten Vorsorgeversicherungen in Deutschland. Grund hierfür sind gesetzliche Änderungen Anfang der 2000er Jahre, welche die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit massiv eingeschränkt haben. Die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht im Regelfall nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken, weshalb eine private Ergänzung unerlässlich geworden ist. Viele Versicherer bieten mittlerweile spezialisierte Tarife an, um diesen wachsenden Bedarf flächendeckend zu bedienen.
Bedeutung im Kontext der Baufinanzierung
Im Rahmen einer Baufinanzierung ist die BU von existenzieller Bedeutung. Wenn die Raten für Zins und Tilgung primär aus dem laufenden Arbeitseinkommen bestritten werden, stellt eine schwere Erkrankung ein enormes finanzielles Risiko dar. Eine ausreichende Police verhindert in solchen Fällen, dass der dauerhafte Verdienstausfall zum Verlust der Immobilie führt. Obwohl die BU meist keine zwingende Voraussetzung der Banken für die Auszahlung eines Hypothekendarlehens ist, ist ihr Abschluss dringend ratsam. Ein weiterer Vorteil: Die Versicherungsbeiträge können im Rahmen der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden.
FAQ
Ab wann gilt man versicherungstechnisch als berufsunfähig?
Eine Berufsunfähigkeit liegt im Sinne der meisten Vertragswerke vor, wenn der Versicherte infolge von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall voraussichtlich dauerhaft zu mindestens 50 Prozent unfähig ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf auszuüben. Als „dauerhaft“ wird in modernen Tarifen bereits ein Zeitraum von sechs Monaten anerkannt.
Was ist der Unterschied zwischen einer Berufsunfähigkeits- und einer Erwerbsminderungsrente?
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine private Absicherung, die leistet, wenn man seinen speziellen Job nicht mehr machen kann. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente hingegen zahlt nur dann, wenn man theoretisch gar keiner Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mehr für mehr als drei Stunden täglich nachgehen kann.
Können Vorerkrankungen zum Ausschluss bei einer BU führen?
Ja, vor Abschluss einer Police findet eine Gesundheitsprüfung statt, bei der Vorerkrankungen wahrheitsgemäß angegeben werden müssen. Je nach Schwere der Diagnose kann dies zu Beitragszuschlägen, dem Ausschluss bestimmter Erkrankungen vom Versicherungsschutz oder in gravierenden Fällen zur Ablehnung des Antrags führen.
