Das Fundament des Bausparens bildet die Idee einer Solidargemeinschaft. Vereinfacht skizziert, treffen innerhalb einer Bausparkasse zwei Kundengruppen aufeinander: Die Sparer, die Kapital einzahlen, und die Darlehensnehmer, die Kredite in Anspruch nehmen. Die Sparphase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Mitglieder ihre Gelder der Gemeinschaft zu sehr günstigen Konditionen zur Verfügung stellen. Im Gegenzug für die vergleichsweise geringe Verzinsung des Guthabens – die meist deutlich unter dem Niveau von Tages- oder Festgeldkonten liegt – erwerben die Sparer den Anspruch auf ein späteres Bauspardarlehen zu ebenso günstigen und festgeschriebenen Zinsen.

Dieses System wird durch die Bausparkassen verwaltet, die ein außerordentlich sicheres Geschäftsmodell verfolgen. Im Gegensatz zu klassischen Geschäftsbanken erfolgt die Refinanzierung nicht über den volatilen Kapitalmarkt, sondern primär über die Einlagen der Sparer sowie die Tilgungsleistungen der Kreditnehmer. Um die dauerhafte Zahlungsfähigkeit und die Erfüllung aller Ansprüche sicherzustellen, ist es den Bausparkassen gesetzlich untersagt, verbindliche Zuteilungstermine für Darlehen zu garantieren.

Das Äquivalenzprinzip und die Bewertungszahl

Ein wesentlicher Pfeiler des Bausparprinzips ist die Äquivalenz von Leistung und Gegenleistung, die durch die sogenannte Bewertungszahl technisch abgebildet wird. Das Erreichen einer spezifischen Mindestbewertungszahl ist die formale Voraussetzung für die Gewährung eines Bauspardarlehens. Diese Kennzahl steigt mit der Höhe des eingezahlten Guthabens sowie der Zeitdauer, über die das Geld der Bausparkasse zur Verfügung steht. Zu beachten ist dabei, dass die zu Vertragsbeginn fällige Abschlussgebühr zunächst vom Guthaben abgezogen wird. Das Äquivalenzprinzip belohnt zudem Flexibilität: Wer nach der Sparphase auf das Darlehen verzichtet, erhält unter bestimmten Bedingungen rückwirkend eine höhere Verzinsung auf sein Sparguthaben.

Stabilität und Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt

Das Bausparprinzip hat sich über Jahrzehnte hinweg bewährt und trägt maßgeblich dazu bei, dass der deutsche Immobilienmarkt weltweit als einer der stabilsten gilt. Da Bausparkassen weitgehend unabhängig von internationalen Finanzmärkten agieren, bietet das System einen wirksamen Schutz vor externen Turbulenzen. Schwankungen an den Rentenmärkten haben somit keinen direkten Einfluss auf die Konditionen der Bausparer. Dieses in sich geschlossene System macht sowohl Sparer als auch Kreditnehmer weniger anfällig für Krisen und verhindert die Entstehung spekulativer Blasen.

FAQ

Wie funktioniert die Refinanzierung beim Bausparprinzip?

Bausparkassen refinanzieren sich nicht über den internationalen Kapitalmarkt, sondern nutzen die Einlagen der Sparergemeinschaft und die Rückzahlungen laufender Kredite. Durch diesen internen Kreislauf bleibt das System weitgehend unabhängig von Zinsschwankungen an den globalen Finanzmärkten.

Was sagt die Bewertungszahl bei einem Bausparvertrag aus?

Die Bewertungszahl misst das Verhältnis zwischen dem angesparten Kapital und der Zeitdauer der Einzahlung, um eine gerechte Zuteilung der Darlehen zu ermöglichen. Sie stellt sicher, dass diejenigen Mitglieder bevorzugt ein Darlehen erhalten, die zuvor eine entsprechende Sparleistung für die Gemeinschaft erbracht haben.

Welche Vorteile bietet der Verzicht auf ein Bauspardarlehen?

Wenn ein Sparer nach Erreichen der Zuteilungsreife auf das Darlehen verzichtet, greift in vielen Tarifen das Äquivalenzprinzip in Form eines Zinsbonus. In diesem Fall wird das angesparte Guthaben rückwirkend höher verzinst, was den Vertrag zu einer attraktiven reinen Geldanlage macht.