Bausparkassen sind spezialisierte Kreditinstitute, deren Geschäftstätigkeit primär auf die Finanzierung von Immobilien ausgerichtet ist. Das grundlegende Prinzip einer Bausparkasse ist das einer Solidargemeinschaft: Die Vergabe von Krediten an Bauherren und Käufer wird direkt durch die Einlagen anderer Sparer refinanziert. Dieses geschlossene System ermöglicht ein äußerst stabiles Geschäftsmodell, das gegenüber externen Finanzkrisen weitestgehend resistent ist.
Ihren Einlagenbestand generieren Bausparkassen durch Bausparverträge mit Privatkunden. Diese Verträge sehen vor, dass Kunden durch regelmäßige Einzahlungen und Verzinsung ein definiertes Eigenkapital ansparen. Im Gegenzug erwerben die Sparer das Recht auf ein zinsgünstiges, grundpfandrechtlich besichertes Darlehen, dessen Höhe sich am angesparten Guthaben orientiert. Ein besonderes Merkmal ist, dass sowohl die Guthaben- als auch die Darlehenszinsen meist deutlich unter dem aktuellen Marktniveau liegen und über die gesamte Laufzeit hinweg unabhängig von Marktschwankungen feststehen.
Sicherheit, Tradition und volkswirtschaftliche Relevanz
Die von Bausparkassen gewährten Darlehen sind strikt zweckgebunden und dienen ausschließlich dem Bau oder Erwerb von Wohneigentum. Während das Darlehen nur für Immobilien verwendet werden darf, steht es den Kunden frei, ihr angespartes Guthaben bei Verzicht auf den Kredit beliebig einzusetzen. Die Geschichte dieses Finanzierungsmodells reicht weit zurück: Bereits um 200 v. Chr. gab es in China kollektive Wohnraumfinanzierungen. In Deutschland wurde die erste Bausparkasse in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Bielefeld von einem Pastor ins Leben gerufen.
Volkswirtschaftlich betrachtet ist das Bausparkassen-System von großer Bedeutung, da es breiten Bevölkerungsschichten den Zugang zu Immobilieneigentum und damit zur langfristigen Vermögensbildung erleichtert. Flankiert wird dieses System durch staatliche Förderungen wie die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage. Zudem unterliegen Bausparkassen strengen gesetzlichen Auflagen. Diese konservative Ausrichtung schützt nicht nur die Einlagen der Sparer, sondern trägt auch zur Stabilität des Immobilienmarktes bei, indem sie das Risiko spekulativer Blasen minimiert.
FAQ
Welche Voraussetzungen müssen für die Auszahlung eines Bauspardarlehens erfüllt sein?
Damit das Darlehen ausgezahlt werden kann, muss der Bausparvertrag die sogenannte Zuteilungsreife erreicht haben. Dies setzt voraus, dass ein bestimmtes Mindestsparguthaben angespart wurde und die erforderliche Bewertungszahl, welche die Sparleistung und die Zeitdauer berücksichtigt, erreicht ist.
Können Bauspardarlehen auch für Modernisierungsmaßnahmen genutzt werden?
Ja, die wohnungswirtschaftliche Verwendung umfasst neben dem Neubau und Kauf auch umfangreiche Modernisierungen, Renovierungen oder energetische Sanierungen einer Immobilie. Da das Darlehen zweckgebunden ist, müssen die entsprechenden Maßnahmen der Bausparkasse gegenüber in der Regel nachgewiesen werden.
Wie sicher sind die Einlagen bei einer deutschen Bausparkasse?
Die Einlagen sind durch die gesetzliche Einsicherung sowie die institutssicheren Schutzeinrichtungen der Bausparkassen in sehr hohem Maße geschützt. Zudem sorgt das kollektive Bausparsystem dafür, dass die Kredite durch reale Immobilienwerte besichert sind, was die Stabilität des Systems zusätzlich untermauert.
