Banken vergeben Immobiliendarlehen primär mit dem Ziel der Gewinnerzielung. Für Kreditnehmer ist es daher von großem Vorteil, die Zusammensetzung dieses Gewinns zu verstehen, da er den direkten Spielraum für Konditionsverhandlungen bestimmt. Je höher der kalkulierte Profit des Instituts ausfällt, desto eher ist der Bankberater in der Lage, Zugeständnisse bei den Zinsen oder Gebühren zu machen, um den Abschluss zu sichern.

Der Ertrag der Bank resultiert aus den sogenannten Rohgewinnen. Diese entstehen zu jedem Zahlungszeitpunkt aus der Differenz zwischen dem mit dem Kunden vereinbarten Kreditzins und den bankinternen Refinanzierungskosten. Beispielsweise wird ein Darlehen über 100.000 Euro mit einer zehnjährigen Laufzeit und monatlichen Raten von der Bank über unterschiedliche Fristen am Kapitalmarkt refinanziert. Je nach aktueller Marktsituation und Refinanzierungsstrategie schwankt dabei die Gewinnspanne für das Institut.

Der Margenbarwert als Kennzahl für den Bankgewinn

In der Fachsprache wird dieser kalkulierte Gewinn als Margenbarwert bezeichnet. Zur Ermittlung dieser Kennzahl wird die Differenz zwischen Kreditzins und Refinanzierungskosten für jeden einzelnen Zahlungszeitpunkt berechnet und über die gesamte Laufzeit des Darlehens summiert. Der daraus resultierende Gesamtbetrag wird anschließend auf den heutigen Tag abgezinst. Wichtig zu verstehen ist, dass die Bank mit diesem Margenbarwert nicht nur ihren reinen Nettogewinn erzielt, sondern auch sämtliche Verwaltungs- und Risikokosten decken muss. Ein Margenbarwert von null würde für die Bank folglich einen realen Verlust bedeuten.

Der Margenbarwert eignet sich hervorragend als Maßgröße, um verschiedene Darlehensangebote objektiv miteinander zu vergleichen. Er bietet eine wesentlich solidere Verhandlungsbasis als der bloße effektive Jahreszins. Letzterer ist oft nur dann wirklich aussagekräftig, wenn die verglichenen Kredite in Betrag, Laufzeit und Zahlungsstruktur absolut identisch sind. Wer hingegen die Marge der Bank versteht, kann gezielter nach Nachlässen fragen.

FAQ

Was genau beschreibt der Begriff Margenbarwert bei einem Kredit?

Der Margenbarwert stellt den abgezinsten Gesamtwert aller Zinsüberschüsse dar, die eine Bank über die Laufzeit eines Darlehens erwartet. Er dient der Bank zur Deckung ihrer Betriebskosten, der Risikovorsorge und zur Erzielung des eigentlichen Gewinns.

Warum ist der Margenbarwert für Verhandlungen wichtiger als der Effektivzins?

Während der Effektivzins lediglich die Kosten für den Kunden abbildet, zeigt der Margenbarwert den tatsächlichen Verdienstkorridor der Bank auf. Kennt ein Kunde diese Kennzahl oder deren Bedeutung, kann er den Verhandlungsspielraum des Beraters besser einschätzen und gezielter Rabatte einfordern.

Können Banken einen Kredit auch ohne Gewinnmarge vergeben?

Ein Margenbarwert von Null ist für Banken nicht tragbar, da sie damit ihre laufenden Personal- und Verwaltungskosten nicht decken könnten. Jedes Kreditinstitut muss eine Mindestmarge kalkulieren, um wirtschaftlich stabil zu bleiben und das Ausfallrisiko des Kredits abzusichern.