Als Zinszyklus wird in der volkswirtschaftlichen Theorie die in wiederkehrenden Mustern verlaufende Veränderung des Zinsniveaus einer Volkswirtschaft verstanden. Gemäß der Theorie steht die Entwicklung des Zinssatzes dabei in engem Zusammenhang mit der Entwicklung vom Löhnen und Preisen sowie dem wirtschaftlichen Wachstum. In Zeiten prosperierender Konjunktur wird durch hohe Löhne und starke Investitionen viel Geld nachgefragt, so dass –bei fixem Angebot – der Preis für Geld und damit der Zinssatz steigt. Bei erlahmender gesamtwirtschaftlicher Entwicklung lässt die Nachfrage nach Finanzmitteln der Theorie gemäß nach und führt zu einem sinkenden Zinssatz. Der zeitliche Ablauf des Zinszyklus ist dabei dem anderer Konjunkturindikatoren wie Löhnen, Preisen und Produktion, sehr ähnlich.

Für Baufinanzierungen ist der Zinszyklus insoweit von Bedeutung, als dass sich durch die Beobachtung der Zinsen und ihre Einordnung in ein zyklisches Muster ein günstiger Zeitpunkt für die Aufnahme eines Hypothekendarlehens realisieren lässt. Da in der Praxis der Zinssatz des Euroraums im Wesentlichen durch die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank festgelegt wird, ist die Observation der für die Notenbank ausschlaggebenden Einflussfaktoren die erfolgversprechendste Möglichkeit bei dem Versuch, künftige Entwicklungen am Zinsmarkt zu antizipieren. Insbesondere die Inflationsentwicklung ist dabei von übergeordneter Bedeutung; Teuerungsraten von mehr als zwei Prozent stehen Zinssenkungen tendenziell entgegen, während Inflationsraten von weniger als einem Prozent oft zu steigenden Leitzinsen führen.

Der Zinszyklus sollte bei Baufinanzierungen grundsätzlich Beachtung finden, auch wenn die Entscheidung für oder gegen die Aufnahme einer Hypothek nicht ausschließlich auf der Grundlage des Marktzinses getroffen werden sollten. Insbesondere bei im historischen Vergleich hohen Zinsen sollte auf eine Sonderkündigungsmöglichkeit geachtet werden. Analog dazu gilt es, vergleichsweise niedrige Zinsen für einen möglichst langen Zeitraum festzuschreiben. Sofern die Zinsbindung eines Darlehens auf Sicht von einigen Jahren endet und die Konditionen am Markt günstig sind, können Eigentümer sich niedrige Zinssätze durch den Abschluss eines Forward-Darlehens für einen längeren Zeitraum sichern.

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