Das Zinsrisiko beschreibt das Risiko eines sich ändernden Darlehenszinssatzes im Tilgungsverlauf. Es betrifft somit ausschließlich Finanzierungen, die nicht mit einer Zinsfestschreibung ausgestattet sind bzw. solche, bei denen nach Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist eine Anschlussfinanzierung benötigt wird, weil noch nicht alle Verbindlichkeiten getilgt sind. Das wesentliche Risiko einer Zinsänderung besteht in den dann wachsenden Belastungen durch den Kapitaldienst: Steigt der Zinssatz an, muss entweder die monatliche Rate erhöht oder die Laufzeit verlängert werden.

Wie stark sich eine Zinserhöhung auf den Kapitaldienst auswirkt, hängt maßgeblich vom Zeitpunkt im Tilgungsverlauf ab. Da die meisten Finanzierungen als Annuitätendarlehen konzipiert sind, setzt sich die Monatsrate aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil zusammen. Der Zinsanteil sinkt mit jeder gezahlten Rate, während der Tilgungsanteil steigt. Erhöht sich der Zinssatz eines Darlehens in einem frühen Stadium der Rückzahlung, bewirkt dies eine deutliche Vergrößerung der Finanzierungslasten. Je mehr Zahlungen schon erfolgt sind, desto geringer wirkt sich ein Zinsanstieg aus.

Kreditnehmer können die Auswirkungen einer Zinserhöhung für jeden Zeitpunkt genau errechnen, indem sie die Zinssensitivität des Kapitaldienstes zugrundelegen. Bei einem kritischen Zinsanstieg, der zu einer bedrohlichen Mehrbelastung führen würde, sollte schon bei der Konzeption der Finanzierung daran gedacht werden, ein Zinscap im Darlehensvertrag festzuschreiben. Das Zinsrisiko umfasst grundsätzlich auch eine Senkung des Zinssatzes, auch wenn diese wegen der positiven Effekte für den Kreditnehmer nicht als Risiko wahrgenommen wird.

Vermeiden lässt sich das Zinsrisiko nur, indem für den gesamten Kredit bis zur vollständigen Rückzahlung eine Zinsbindung vereinbart wird. Dies allerdings ist bei langen Laufzeiten mit erheblichen Kosten verbunden, sodass nicht unbedingt anzuraten ist, den Zinssatz um jeden Preis lange zu fixieren. Vielmehr sollte die gewonnene Zinssicherheit in einem korrekten Verhältnis zu den Kosten stehen. Ist dies nicht der Fall, ist es besser, das Zinsrisiko als notwendiges Übel in Kauf zu nehmen.

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