Unter Fristenkongruenz versteht man die zeitliche Übereinstimmung von Zahlungsterminen bei Finanzierungen und den dazugehörigen Kapitalanlagen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Fälligkeit einer Verbindlichkeit exakt auf den Zeitpunkt abgestimmt ist, an dem die Mittel zur Tilgung zur Verfügung stehen. Ein klassisches Beispiel ist die endfällige Finanzierung über einen Tilgungsträger wie eine Kapitallebensversicherung. Hier müssen das Ende der Darlehenslaufzeit und der Auszahlungstermin der Versicherung präzise harmonieren. Mangelt es an dieser Kongruenz, entstünde eine Finanzierungslücke, die entweder eine kostspielige Zwischenfinanzierung erfordert oder dazu führt, dass Kapital vorübergehend unverzinst geparkt werden muss.

Die institutionelle Bedeutung für Banken und Bausparkassen

Für Finanzinstitute ist die Fristenkongruenz ein zentrales Instrument der Risikosteuerung und teilweise gesetzlich vorgeschrieben. Bausparkassen unterliegen hierbei besonders strengen Regeln, da sie Bauspardarlehen nur auszahlen dürfen, wenn die Refinanzierung durch das angesparte Guthaben anderer Bausparer im Kollektiv gesichert ist. Eine Missachtung dieses Prinzips würde zur Unterdeckung führen und das geschlossene System der Bausparkasse gefährden, da teure Refinanzierungen am freien Kapitalmarkt notwendig würden. Auch Geschäftsbanken müssen ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten und langfristigen Kreditforderungen so steuern, dass ihre Zahlungsfähigkeit jederzeit durch fristenkongruente Refinanzierung gewährleistet bleibt.

Relevanz für die private Finanzplanung und Sondertilgungen

Immobilienbesitzer müssen die Fristenkongruenz bei ihrer individuellen Vermögensplanung aktiv berücksichtigen, insbesondere wenn flexible Rückzahlungsoptionen genutzt werden sollen. Wer plant, eine außerordentliche Sondertilgung zu leisten, muss sicherstellen, dass die dafür vorgesehenen Mittel – etwa aus einem fälligen Sparvertrag oder einer Bonuszahlung – genau in dem Zeitfenster verfügbar sind, in dem die Bank die Sondertilgung vertraglich gestattet. Tritt die Liquidität zu spät ein, verstreicht das Recht auf die Zinsersparnis für das laufende Jahr. Steht das Geld zu früh zur Verfügung, entstehen Opportunitätskosten. Eine mangelhafte zeitliche Abstimmung führt in beiden Fällen zu unnötigen Zinsbelastungen oder entgangenen Renditechancen.

FAQ

Was ist eine Fristentransformation und wie unterscheidet sie sich von der Fristenkongruenz?

Während die Fristenkongruenz auf absolute Deckungsgleichheit zielt, bezeichnet die Fristentransformation das Geschäftsmodell von Banken, kurzfristige Einlagen (z. B. Sparguthaben) in langfristige Kredite (z. B. Hypotheken) umzuwandeln. Dies birgt für die Bank ein Liquiditätsrisiko, falls viele Sparer gleichzeitig ihr Geld abheben wollen, bevor die Kredite zurückgezahlt sind.

Wie kann ich als Laie sicherstellen, dass meine Finanzierung fristenkongruent ist?

Der wichtigste Schritt ist der Abgleich der Zinsbindungsfrist mit der Laufzeit Ihrer Tilgungsträger. Wenn Sie beispielsweise ein Darlehen mit einer 10-jährigen Zinsbindung haben, sollte auch ein dafür vorgesehener Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung nach exakt 10 Jahren zuteilungsreif oder fällig sein, um das Zinsänderungsrisiko für die Anschlussfinanzierung zu minimieren.

Welche Folgen hat eine mangelnde Fristenkongruenz bei einer Anschlussfinanzierung?

Sollte Ihr Darlehen fällig werden, bevor die Mittel zur Ablösung bereitstehen, geraten Sie in eine „echte“ Finanzierungslücke. Die Bank wird Ihnen dann in der Regel eine Zwischenfinanzierung anbieten, deren Zinssätze jedoch meist deutlich über dem Niveau langfristiger Immobiliendarlehen liegen, was die Gesamtkosten Ihres Projekts kurzfristig massiv in die Höhe treibt.