Das Fremdwährungsdarlehen ist eine in Deutschland noch vergleichsweise unbekannte Form der Immobilienfinanzierung, die jedoch erhebliche wirtschaftliche Vorteile bieten kann. Das Grundprinzip ist simpel: Der Kreditnehmer nimmt das Darlehen nicht in der Landeswährung Euro auf, sondern wählt eine alternative Währung wie den Japanischen Yen oder den Schweizer Franken. Der Hauptantrieb für diese Wahl ist die Ausnutzung eines niedrigeren Zinsniveaus in anderen Währungsräumen. Während ein Baukredit in Euro beispielsweise mit über 4 % verzinst wird, können die Zinsen für Kredite in Fremdwährungen deutlich darunter liegen, was die monatliche Zinslast massiv reduziert.

Chancen durch Wechselkursveränderungen

Zusätzlich zum Zinsvorteil bietet ein Fremdwährungsdarlehen die Chance, von Währungsschwankungen zu profitieren. Wertet sich der Euro gegenüber der Darlehenswährung auf (sinkende Wechselkurse aus Sicht des Euro), verringert sich die reale Schuldenlast in Euro automatisch. Wenn beispielsweise ein Darlehen im Gegenwert von 100.000 Euro in Yen aufgenommen wird und der Kurs des Yen gegenüber dem Euro sinkt, kann dies die Tilgungssumme um mehrere tausend Euro reduzieren, ohne dass der Kreditnehmer hierfür eine zusätzliche Eigenleistung erbracht hat. Diese Hebelwirkung macht die Finanzierung im Idealfall extrem kosteneffizient.

Risiken und Marktanforderungen

Trotz der attraktiven Chancen ist ein Fremdwährungsdarlehen mit signifikanten Risiken verbunden. Das größte Risiko ist das Währungsrisiko: Sollte der Euro gegenüber der Kreditwährung an Wert verlieren, steigt die in Euro gerechnete Tilgungssumme an. Der Kreditnehmer müsste in diesem Fall deutlich mehr Euro aufwenden, um die gleiche Menge an Fremdwährungseinheiten für die Rückzahlung zu beschaffen. Zudem besteht das Zinsänderungsrisiko, falls die Zinsen im gewählten Währungsraum schneller steigen als im Euroraum. Aufgrund dieser Volatilität setzen Banken meist eine hohe Bonität und einen Eigenkapitalanteil von mindestens 30 bis 50 % voraus, um potenzielle Kursschwankungen abzufedern.

Aktuelle Marktsituation

Derzeit gelten insbesondere Darlehen in Japanischen Yen und Schweizer Franken als zinsgünstige Optionen. Da diese Finanzierungsform jedoch spekulativ ist, sollten Bauherren vor dem Abschluss eine fundierte Analyse der zu erwartenden Kursentwicklungen beider Währungen durchführen. Ein Fremdwährungsdarlehen erfordert eine kontinuierliche Marktbeobachtung, um bei ungünstigen Trends rechtzeitig reagieren zu können, beispielsweise durch eine Konvertierung des Darlehens zurück in Euro.

FAQ

Ist ein Fremdwährungsdarlehen für private Eigenheimbesitzer sicher?

Es gilt als Hochrisikoprodukt. Für Familien, die knapp kalkulieren müssen, ist es ungeeignet, da eine ungünstige Wechselkursentwicklung die monatliche Rate oder die Restschuld so weit in die Höhe treiben kann, dass die Finanzierung unbezahlbar wird. Es ist eher ein Instrument für versierte Anleger mit entsprechenden Liquiditätsreserven.

Kann ich das Darlehen jederzeit in Euro umwandeln?

Die meisten Verträge sehen ein Konvertierungsrecht vor. Dies geschieht jedoch zum tagesaktuellen Wechselkurs. Wenn der Euro zum Zeitpunkt der Umwandlung schwach ist, wird der Währungsverlust realisiert und festgeschrieben. Oft fallen für diesen Wechsel zudem Gebühren bei der Bank an.

Welche Kosten fallen zusätzlich an?

Neben den Zinsen müssen Kreditnehmer mit Gebühren für die Währungskonvertierung (Devisen-Spread) rechnen. Da das Einkommen in Euro eingeht, die Rate aber in Fremdwährung gezahlt wird, entstehen bei jeder Transaktion Kosten durch den Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs der Währung.