Die Familienhypothek bezeichnet ein spezielles Tarifmodell im Bereich der Hypothekendarlehen, das sich durch vergünstigte Konditionen für Familien mit Kindern auszeichnet. Da dieser Begriff kein rechtlich oder fachlich starr fixiertes Profil darstellt, variiert die genaue Ausgestaltung je nach Anbieter. Im Regelfall handelt es sich um ein grundpfandrechtlich besichertes Darlehen, bei dem der Zinssatz sinkt, je mehr Kinder im Haushalt des Antragstellers leben. Das Alter der Kinder ist dabei meist zweitrangig; maßgeblich ist in der Regel der Anspruch des Darlehensnehmers auf den Bezug von Kindergeld.
Begrenzungen und vertragliche Rahmenbedingungen
Die Anbieter solcher Familientarife limitieren das Ausmaß der Vergünstigungen üblicherweise durch spezifische Mechanismen. Dies geschieht häufig durch eine Deckelung des maximal förderfähigen Kreditbetrages, einen festgeschriebenen Maximalrabatt oder eine degressive Staffelung der Nachlässe. Zudem sind die vergünstigten Sonderkonditionen oft auf einen bestimmten Zeitraum der Gesamtlaufzeit begrenzt.
Hinsichtlich der übrigen Vertragsbedingungen unterscheidet sich die Familienhypothek kaum von herkömmlichen Finanzierungen. Vereinbarungen zu Zinsbindungen und Sondertilgungen können individuell mit der Bank getroffen werden. Zudem ist eine Kombination mit staatlichen Fördermitteln oder Krediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) grundsätzlich möglich.
Wirtschaftliche Hintergründe und Marktbedeutung
Die Familienhypothek fungiert sowohl als wirksames Marketinginstrument als auch als Mittel der ökonomischen Preisdiskriminierung. Dabei wird die Preissetzung tendenziell an die individuelle Zahlungsbereitschaft und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kreditnehmer angepasst. Da mit steigender Kinderzahl das verfügbare Einkommen für den Schuldendienst tendenziell sinkt, ermöglicht dieser Tarif dem Anbieter eine effizientere Marktabschöpfung als ein Standardzins. Die hohe Relevanz als Werbemittel ergibt sich aus der Zielgruppenstruktur: Ein Großteil des deutschen Marktes für Baufinanzierungen besteht aus Familien mit Kindern.
Historische Entwicklung in Deutschland
In Deutschland wurde dieser spezielle Tarif im Jahr 2007 eingeführt, maßgeblich vorangetrieben durch die Hannoversche Leben in Zusammenarbeit mit einem Kooperationspartner. Während das Modell zum Zeitpunkt der Einführung hohe Aufmerksamkeit genoss, ist die langfristige Etablierung als Standardprodukt im Vergleich zu klassischen Förderungen wie dem KfW-Wohneigentumsprogramm differenziert zu betrachten.
FAQ
Wie wirkt sich die Anzahl der Kinder konkret auf den Zinssatz aus?
Bei den meisten Modellen gewährt die Bank pro Kind einen prozentualen Abschlag auf den regulären Sollzins, beispielsweise 0,1 Prozentpunkte pro Kind. Dieser Rabatt wird oft bis zu einer bestimmten Obergrenze, etwa dem dritten oder vierten Kind, addiert.
Was passiert mit den Konditionen, wenn die Kinder aus dem Kindergeldbezug fallen?
In der Regel sind die Vergünstigungen für eine feste erste Zinsbindungsphase garantiert, unabhängig davon, ob die Kinder währenddessen volljährig werden. Nach Ablauf dieser Phase wird das Darlehen meist zu marktüblichen Konditionen ohne Familienrabatt weitergeführt.
Kann die Familienhypothek mit dem KfW-Baukindergeld kombiniert werden?
Sofern staatliche Förderprogramme wie das Baukindergeld oder dessen Nachfolgeprogramme aktiv sind, lassen sich diese meist problemlos mit privaten Familientarifen kombinieren. Dies ermöglicht Bauherren eine signifikante Reduzierung der monatlichen Belastung durch die Nutzung mehrerer Fördersäulen.
