Es existieren verschiedene Strategien, um mit Banken über die Konditionen eines Darlehens zu verhandeln. Eine Methode, die insbesondere von Experten häufig angewandt wird, ist die sogenannte Rohgewinn-Kalkulation. Hierbei versetzt sich der Kreditnehmer in die Perspektive des Kreditinstituts und analysiert die Refinanzierung des Darlehens. Sofern der Beleihungsauslauf unter 60 Prozent liegt und keine individuellen Ausfallrisiken vorliegen, lassen sich die Refinanzierungskosten der Bank anhand der aktuellen Zinsstruktur am Kapitalmarkt präzise ermitteln. Da kurzfristige Laufzeiten in der Regel günstiger zu refinanzieren sind als langfristige, bildet die Analyse der Kreditstruktur das Fundament dieser Verhandlungsstrategie.

Analyse der Zahlungsströme und Refinanzierungsbasis

Der Prozess beginnt mit der Auszahlung der Darlehenssumme an den Kreditnehmer, woraufhin dieser monatliche Raten an das Institut leistet. Da der Kreditnehmer bereits ab dem zweiten Monat mit der Rückzahlung beginnt, sinkt die Refinanzierungsbasis für die Bank kontinuierlich ab. In diese Kalkulation müssen zudem sämtliche geplanten Sonderzahlungen während der Laufzeit einbezogen werden. Die Zahlungsreihe endet schließlich entweder mit der finalen Tilgungsrate oder der Rückzahlung der verbleibenden Restschuld, wobei die Art einer etwaigen Anschlussfinanzierung für diese spezifische Betrachtung keine Rolle spielt.

Der Rohgewinn als präzise Kennzahl für Kreditkonditionen

Anhand der ermittelten Zahlungsreihe lässt sich exakt bestimmen, welchen Refinanzierungskosten die Bank gegenübersteht. Die Summe aller Zahlungen an das Institut übersteigt den ursprünglichen Kreditbetrag; die abgezinste Differenz stellt den Rohgewinn der Bank dar, aus dem sie ihre Betriebskosten decken muss. Der abgezinste Rohgewinn ist als Maßstab für die Bewertung von Kreditkonditionen deutlich aussagekräftiger als der effektive Jahreszins. Letzterer vernachlässigt nämlich den exakten Zeitpunkt der Zahlungsflüsse. So können zwei Kredite trotz identischem Effektivzins unterschiedliche Kosten verursachen, wenn die Tilgung zeitlich nach hinten verschoben wird.

FAQ

Was ist der entscheidende Vorteil der Rohgewinn-Kalkulation gegenüber dem Effektivzins-Vergleich?

Die Rohgewinn-Kalkulation berücksichtigt den Zeitwert des Geldes und zeigt genau auf, wie viel die Bank nach Abzug ihrer Refinanzierungskosten tatsächlich an einem Kredit verdient. Im Gegensatz zum Effektivzins macht diese Methode sichtbar, wie sich unterschiedliche Tilgungsgeschwindigkeiten auf die reale Gewinnmarge des Instituts auswirken.

Welche Daten benötigt ein Kreditnehmer für eine fundierte Rohgewinn-Kalkulation?

Für eine präzise Berechnung sind die aktuellen Zinssätze am Kapitalmarkt für die entsprechenden Laufzeiten, der geplante Tilgungssatz sowie die genauen Termine aller Zahlungen erforderlich. Mit diesen Informationen lässt sich die Zahlungsreihe diskontieren und der Barwert des Gewinns für das Kreditinstitut ermitteln.

In welchen Fällen ist die Rohgewinn-Kalkulation als Verhandlungsinstrument besonders effektiv?

Diese Taktik ist vor allem bei Finanzierungen mit hohem Eigenkapitalanteil und guter Bonität erfolgreich, da hier das Ausfallrisiko vernachlässigbar ist und die Refinanzierungskosten der Bank transparent am Markt abgelesen werden können. Sie ermöglicht es dem Kunden, mit fundierten Argumenten über die Höhe der Marge zu verhandeln, anstatt lediglich Zinssätze zu vergleichen.