Eine Rohbauversicherung schützt ein noch nicht bezugsfertiges Gebäude gegen elementare Gefahren wie Feuer, Blitzschlag, Implosion und Explosion sowie gegen den Anprall von Luftfahrzeugen. Andere Schadensszenarien sind in diesem speziellen Leistungskatalog nicht enthalten. In der Praxis wird diese Versicherung üblicherweise in Kombination mit einer Wohngebäudeversicherung abgeschlossen. Mit der Fertigstellung des Objekts geht die Rohbauversicherung nahtlos in die Wohngebäudeversicherung über. Durch dieses kombinierte Modell verhindern Bauherren Lücken im Versicherungsschutz und minimieren gleichzeitig den administrativen Aufwand.

Notwendigkeit für die Finanzierung und rechtliche Relevanz

Der Abschluss einer Rohbauversicherung ist für jedes Bauvorhaben essenziell. Kreditinstitute verweigern in der Regel die Auszahlung von Darlehensmitteln, sofern der Antragsteller keinen ausreichenden Versicherungsschutz nachweisen kann. Diese Anforderung betrifft klassische Hypothekenfinanzierungen ebenso wie Förderkredite öffentlicher Institutionen, beispielsweise der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Damit zählt die Rohbauversicherung zu den unverzichtbaren Absicherungen während der Realisierungsphase einer Immobilie.

Kostenfaktoren und Übergang in die Gebäudeversicherung

Die Beiträge für die Police variieren je nach Wert des Gebäudes und des auf der Baustelle gelagerten Baumaterials, welches ebenfalls vom Schutz umfasst ist. Sobald die Bezugsfertigkeit festgestellt wird, erlischt die Rohbaupolice und wird durch die reguläre Wohngebäudeversicherung ersetzt. Wichtig zu wissen ist, dass die Rohbauversicherung nicht erneut in Kraft tritt, falls das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt – etwa durch einen massiven Schadensfall – vorübergehend unbewohnbar wird. Die Prämienhöhe differiert zudem stark zwischen den einzelnen Anbietern; häufig lassen sich durch Bündelungen mit anderen Versicherungsverträgen deutliche Rabatte erzielen.

Deckungssummen und zeitliche Befristung

Rohbauversicherungen sind mit einer maximalen Deckungssumme versehen, deren Angemessenheit in der Verantwortung des Bauherrn liegt. In der Regel sind diese Summen jedoch so kalkuliert, dass sie den Wertzuwachs während der Bauphase vollständig abdecken und den Baufortschritt nicht behindern. Der Versicherungsschutz beginnt mit dem im Versicherungsschein dokumentierten Datum und endet formal mit dem Tag, an dem das Gebäude als bezugsfertig eingestuft wird und der Übergang in die Anschlussversicherung erfolgt.

FAQ

Welche Schäden sind explizit nicht durch eine Rohbauversicherung abgedeckt?

Schäden durch Leitungswasser, Sturm oder Hagel sind im klassischen Leistungsumfang einer Rohbauversicherung meist nicht enthalten, da diese Risiken erst mit der Fertigstellung des Gebäudes relevant werden. Für eine umfassendere Absicherung während der Bauzeit empfiehlt sich zusätzlich der Abschluss einer Bauleistungsversicherung, die auch unvorhergesehene Beschädigungen durch Witterung oder Vandalismus abdeckt.

Ist die Rohbauversicherung während der Bauzeit kostenlos?

Viele Versicherer bieten die Rohbauversicherung beitragsfrei an, sofern der Bauherr bereits vorab eine anschließende Wohngebäudeversicherung beim selben Anbieter abschließt. Diese kostenlose Phase ist jedoch zeitlich begrenzt, meist auf einen Zeitraum von 6 bis 24 Monaten, was in der Regel für die gängige Dauer eines Hausbaus ausreicht.

Wann gilt ein Gebäude im Sinne der Versicherung als bezugsfertig?

Ein Gebäude gilt als bezugsfertig, sobald es den wesentlichen Teil der Bauarbeiten abgeschlossen hat und eine dauerhafte Bewohnbarkeit gewährleistet ist, was oft durch die Abnahme durch das Bauamt oder den tatsächlichen Einzug definiert wird. Zu diesem Zeitpunkt informiert der Bauherr die Versicherung, damit der Vertrag automatisch auf den Tarif der Wohngebäudeversicherung umgestellt werden kann.