Tilgungsprogression
Die Tilgungsprogression beschreibt allgemein den fortlaufenden Anstieg des Tilgungsanteils innerhalb der Rückzahlungsphase eines Darlehens. Dieser Begriff umfasst zwei wesentliche Szenarien: Zum einen die systemimmanente Verschiebung bei einem Annuitätendarlehen, bei dem der Tilgungsanteil zu Lasten des Zinsanteils steigt. Zum anderen kann damit eine vertraglich vereinbarte, stufenweise Erhöhung der Tilgungsleistung gemeint sein, die zu einer sukzessiven Steigerung der Gesamtrate führt.
Die Tilgungsprogression beim Annuitätendarlehen
Bei der klassischen annuitätischen Rückzahlung bleibt die monatliche Gesamtbelastung für den Darlehensnehmer – einen gleichbleibenden Zinssatz vorausgesetzt – über die gesamte Laufzeit konstant. Da die Sollzinsen jedoch stets auf Basis des aktuell noch valutierenden Kreditsaldos berechnet werden, sinkt der Zinsbetrag mit jeder geleisteten Rate. Da die Annuität gleich bleibt, vergrößert sich spiegelbildlich der Anteil, der für die Tilgung der Restschuld zur Verfügung steht. Bei Immobilien, die zur Vermietung bestimmt sind, hat diese Dynamik steuerliche Auswirkungen: Da nur die Zinszahlungen als Werbungskosten absetzbar sind, verringert sich der steuerliche Vorteil mit fortschreitender Tilgungsprogression. Für Eigennutzer ist dieser Effekt hingegen irrelevant, da sie die Kreditkosten ohnehin nicht steuerlich geltend machen können.
Vertraglich vereinbarte Progression und strategische Tilgung
Wird eine explizite Tilgungsprogression im Darlehensvertrag fixiert, steigt die monatliche Rate an das Kreditinstitut im Zeitverlauf an. In diesem Fall erhöht sich die Tilgungsleistung sowohl durch den ersparten Zinsanteil als auch durch die vertraglich vorgesehenen Steigerungsstufen. Diese Variante wird häufig bei komplexen Finanzierungen eingesetzt, die aus mehreren Hypotheken bestehen und einen Beleihungsauslauf von über 60 Prozent aufweisen. Dabei werden Kreditanteile, die über dieser kritischen Beleihungsgrenze liegen und oft mit Zinsaufschlägen belegt sind, priorisiert getilgt. Die restlichen Darlehensteile innerhalb der 60-Prozent-Grenze werden hingegen zunächst nur geringfügig bedient und erst später durch eine vereinbarte Progression verstärkt zurückgeführt.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen der automatischen und der vereinbarten Tilgungsprogression?
Die automatische Tilgungsprogression ergibt sich bei gleichbleibender Rate durch sinkende Zinslasten bei einem Annuitätendarlehen. Eine vereinbarte Progression hingegen bedeutet, dass die Tilgungsrate nach einem festen Zeitplan aktiv angehoben wird, wodurch auch die monatliche Gesamtbelastung steigt.
Warum führt die Tilgungsprogression bei Vermietern zu einer höheren Steuerlast?
Da im Zeitverlauf der Zinsanteil der Rate sinkt und gleichzeitig der Tilgungsanteil steigt, verringern sich die absetzbaren Werbungskosten kontinuierlich. Da die Tilgung selbst steuerlich nicht geltend gemacht werden kann, erhöht sich bei gleichbleibenden Mieteinnahmen der zu versteuernde Gewinn.
Wann ist eine vertraglich vereinbarte Tilgungsprogression sinnvoll?
Diese Form ist sinnvoll, wenn Kreditnehmer mit künftig steigenden Einkommen rechnen oder wenn teure Finanzierungsbausteine mit hohem Beleihungsauslauf schnellstmöglich abgelöst werden sollen. Sie ermöglicht es, die anfängliche Belastung gering zu halten und die Entschuldung später massiv zu beschleunigen.
