Risikokosten
Unter Risikokosten versteht man in der Baufinanzierung jene Kosten, die einem Kreditinstitut bei der Refinanzierung eines Darlehens entstehen. Diese führen zu einem Zinsaufschlag, der über dem Niveau für erstklassige Staatsanleihen liegt. Da Banken die vergebenen Kredite selbst über den Kapitalmarkt refinanzieren müssen, steigen die Kosten für diese Mittelaufnahme proportional zum Ausfallrisiko des jeweiligen Darlehens. Diese Zuschläge werden in Form höherer Sollzinsen direkt an den Kunden weitergegeben. Die exakte Höhe der Risikokosten wird dabei maßgeblich von der allgemeinen Lage am Kapitalmarkt beeinflusst: In volatilen Marktphasen fordern Investoren höhere Risikoaufschläge, während in stabilen Zeiten oft nur geringe Prämien für das zusätzliche Kreditrisiko anfallen.
Einfluss der Finanzierungsstruktur auf die Kosten
Ein entscheidender Faktor bei der Bemessung der Risikokosten ist die individuelle Struktur der Finanzierung. Da Immobilienkredite durch Grundpfandrechte am Objekt besichert sind, sinkt das Risiko für die Bank mit einem steigenden Eigenkapitalanteil. Kreditnehmer, die ihre Zinslast minimieren möchten, sollten daher versuchen, eine möglichst hohe Eigenkapitalquote einzubringen. In der Regel verzichten Banken auf gesonderte Risikozuschläge, sofern der Beleihungsauslauf die Grenze von 40 Prozent nicht überschreitet. Bei einer solch konservativen Beleihung gehen Institute davon aus, dass im Falle einer Zahlungsunfähigkeit sämtliche Forderungen durch die Verwertung der Immobilie vollständig gedeckt werden können. Mit zunehmendem Fremdkapitalanteil steigt hingegen die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer Verwertung ungedeckte Außenstände verbleiben.
Relevanz bei vorzeitiger Darlehensablösung
Bedeutung gewinnen die Risikokosten zudem, wenn ein Darlehen vorzeitig zurückgezahlt wird und über die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung verhandelt werden muss. In diesem Szenario können Darlehensnehmer versuchen, die ersparten Risikokosten der Bank geltend zu machen. Da das Kreditinstitut das Kapital vorzeitig zurückerhält und neu investieren kann, entfallen die ursprünglich kalkulierten Risiken für dieses spezifische Darlehen oder werden fortan von anderen Parteien getragen. Eine entsprechende Anrechnung der ersparten Risikokosten kann die Entschädigungszahlung für den Kunden spürbar reduzieren.
FAQ
Wie können Kreditnehmer die Risikokosten ihrer Finanzierung aktiv senken?
Die effektivste Methode zur Senkung der Risikokosten ist die Einbringung von mehr Eigenkapital, um den Beleihungsauslauf zu reduzieren. Je weiter die Kreditsumme unter dem von der Bank ermittelten Beleihungswert liegt, desto geringer fallen die Risikoaufschläge im Zinssatz aus.
Warum werden Risikokosten bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung abgezogen?
Wenn ein Kredit vorzeitig endet, muss die Bank das Risiko eines Zahlungsausfalls für diesen Vertrag nicht mehr tragen. Da dieser Risikopuffer im ursprünglichen Zins enthalten war, muss die Bank diesen Vorteil bei der Berechnung der Entschädigung zugunsten des Kunden berücksichtigen.
Gibt es Unterschiede bei den Risikokosten zwischen verschiedenen Banken?
Ja, jede Bank kalkuliert ihre Risikokosten auf Basis interner Daten und individueller Refinanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt unterschiedlich. Daher lohnt sich ein Vergleich verschiedener Anbieter, da die Aufschläge für identische Beleihungsausläufe je nach Risikopolitik des Instituts variieren können.
