Rating

Als Rating wird die Einschätzung der Bonität eines Schuldners anhand modellhafter Verfahren bezeichnet. Bei den Schuldnern, die mittels dieser Modelle geratet werden, handelt es sich in der Regel um größere Investoren. Im Bereich der privaten Baufinanzierung ist das Rating dennoch von Bedeutung: Auch die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen wird im Vorfeld einer Darlehenszusage durch die Bank geprüft. Dabei wird der Antragsteller gemäß seiner individuellen Kreditwürdigkeit in eine von mehreren möglichen Bonitätsklassen eingeteilt. Banken refinanzieren ihre ausgereichten Kredite in vielen Fällen nicht über das Einlagengeschäft, sondern über den Kapitalmarkt. Sie bündeln dabei die Forderungen gegen eine Vielzahl von Kreditnehmern und veräußern die auf diesem Wege entstandenen Pakete an andere Marktteilnehmer. Die Pakete sind in vielen Fällen nach der Bonitätsklasse unterteilt, die dem Wertpapier, das am Markt platziert wird zugrunde liegt. Die Ausfallwahrscheinlichkeit innerhalb einer Bonitätsklasse wiederum wird durch Ratingagenturen gemäß ihrer Rating-Richtlinien in regelmäßigen Abständen angepasst, was sich auf den Preis des von der Bank verkauften Kreditpaketes und damit die Refinanzierungskonditionen des Institutes auswirkt. Sinkt das Rating für eine bestimme Bonitätsklasse, führt dies deshalb dazu, dass Kreditnehmer, die in die betreffende Klasse eingestuft worden sind, schlechtere Konditionen angeboten bekommen.

Das Rating richtet sich nach unterschiedlichen Variablen, die unter anderem an der konjunkturellen Entwicklung, der Arbeitslosigkeit und anderen makroökonomischen Größen ausgerichtet werden. Tendenziell gilt, dass Banken sich in wirtschaftlich schlechten Zeiten ungünstigen Refinanzierungskosten für Darlehen an Kreditnehmer mit schwacher Bonität gegenübersehen, während in Aufschwungphasen die Bereitschaft, auch an Kreditnehmer mit weniger guter Kreditwürdigkeit grundpfandrechtlich besicherte Darlehen zu vergeben, zunimmt.

Verbraucher können letztlich nicht vollends einsehen, in welche Bonitätsklasse sie eingestuft sind und wie die Stufe von den Ratingagenturen zum Zeitpunkt der Darlehensaufnahme bewertet wird. Aufgrund der Vielzahl der Einflussfaktoren und der je nach Bank unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der Refinanzierung ist eine Prüfung durch Antrag erforderlich.

Einlagenrefinanzierung

Unter der Einlagenrefinanzierung versteht man ein Bankmodell, bei dem vergebene Kredite ausschließlich durch die Guthaben anderer Kunden finanziert werden. Dieses Prinzip bildet das Fundament des Bausparwesens: Die Sparleistungen der einen Kundengruppe stellen die Liquidität für die Darlehen der anderen Gruppe bereit. Das Gegenstück zu diesem Modell ist die Refinanzierung über den Kapitalmarkt, bei der Banken eigene Schuldverschreibungen emittieren. Während große Privatbanken die reine Einlagenrefinanzierung heute kaum noch in ihrer Reinform praktizieren, gilt sie als besonders konservatives und stabiles Geschäftsmodell. Ein wesentlicher Vorteil ist die Unabhängigkeit von volatilen Kapitalmärkten. Wie die Finanzmarktkrise der Jahre 2008 und 2009 verdeutlichte, kann die Kapitalbeschaffung über Anleihen massiv gestört werden, wenn das gegenseitige Vertrauen der Marktteilnehmer schwindet.

Herausforderungen und Risiken für einlagengestützte Institute

Institute, die primär auf die Einlagenrefinanzierung setzen, stehen vor spezifischen strukturellen Herausforderungen. Da sie nur begrenzt am Kapitalmarkt agieren, ist die Möglichkeit zur Fristentransformation eingeschränkt. Sie sind darauf angewiesen, dass kontinuierlich ausreichend Kundeneinlagen vorhanden sind, um das Neugeschäft zu stützen. Die monatlich zurückfließenden Tilgungsraten der bestehenden Kredite stabilisieren diesen Prozess jedoch erheblich. Ein kritisches Szenario entsteht erst dann, wenn Kunden in großem Umfang und gleichzeitig ihre Guthaben abheben. In einer solchen Liquiditätskrise müsste die Bank ohne den Zugang zum Anleihemarkt auf die Unterstützung von Verbundpartnern oder Zentralbanken zurückgreifen. Dennoch gewinnt die Einlagenrefinanzierung als Lehre aus vergangenen Krisen wieder an Bedeutung und dürfte künftig einen größeren Anteil am deutschen Baufinanzierungsmarkt einnehmen.

FAQ

Wo liegt der Hauptunterschied zwischen Einlagenrefinanzierung und Kapitalmarktrefinanzierung?

Bei der Einlagenrefinanzierung nutzt die Bank die Sparguthaben ihrer eigenen Kunden als Kapitalquelle für die Kreditvergabe. Im Gegensatz dazu beschafft sich die Bank bei der Kapitalmarktrefinanzierung frisches Geld, indem sie Wertpapiere wie Anleihen oder Pfandbriefe an institutionelle Investoren verkauft.

Warum gilt das Modell der Einlagenrefinanzierung als besonders krisenfest?

Da die Bank nicht auf das tägliche Funktionieren der internationalen Geld- und Kapitalmärkte angewiesen ist, bleibt sie von dortigen Liquiditätsengpässen weitgehend unberührt. Das Kapital stammt aus einer Vielzahl privater Sparer, was die Abhängigkeit von einzelnen großen Investoren und deren Marktvertrauen drastisch reduziert.

Welche Rolle spielen Bausparkassen in diesem Zusammenhang?

Bausparkassen sind das klassische Beispiel für ein geschlossenes System der Einlagenrefinanzierung, in dem die Sparer durch ihre Einlagen den Pool für spätere Darlehen bilden. Dieses Kollektivprinzip sorgt dafür, dass die Zinskonditionen für die Darlehensnehmer unabhängig von den Schwankungen des allgemeinen Marktzinsniveaus bleiben.

Kreditkosten

Als Kreditkosten werden alle Kosten bezeichnet, die der Darlehensnehmer für die Inanspruchnahme eines Kredites an die darlehensgebende Bank entrichten muss. Kreditkosten sind insbesondere Sollzinsen, Überziehungskosten, Bereitstellungszinsen, Kreditspesen sowie Bearbeitungs- und Vermittlungsgebühren. Die Kosten eines Kredites sind im Bereich der Baufinanzierung von besonderer Bedeutung, da aufgrund des großen Kreditvolumens der absolute Kostenbetrag sehr hoch ausfallen kann. Deshalb werden die Konditionen verschiedener Anbieter im Hinblick auf die Kreditkosten bei Hypothekenfinanzierungen besonders intensiv miteinander verglichen. Sämtliche Kreditkosten werden im Darlehensvertrag explizit fixiert. Der Gesetzgeber macht Banken dabei detailgenaue Vorschriften im Hinblick auf die Auszeichnung einzelner Kostenblöcke.

Die Sollzinsen eines Darlehens können entweder für die gesamte Laufzeit oder einen bestimmten Zeitraum fixiert werden (Zinsbindung) oder aber an einem Referenzzinssatz ausgerichtet und in Abhängigkeit von dessen Entwicklung laufend angepasst werden. Als Referenzzinsätze werden in den meisten Fällen wichtige Interbankensätze, wie der EUROBOR oder der EONIA genutzt. Dabei wird der Referenz in der Regel ein fester Prozentsatz zugeschrieben. Eine variable Verzinsung impliziert, dass die Gesamtkosten eines Kredites zum Zeitpunkt seiner Auszahlung nicht feststehen, sondern abhängig von äußeren Einflüssen variieren können.

Neben den Sollzinsen fallen wie erwähnt weitere Kreditkosten an. Wird im Rahmen eines Bau- oder Erwerbsvorhabens eine bestimmte Kreditlinie seitens der Bank eingeräumt und stellt sich im weiteren Zeitverlauf heraus, dass die zugesagten Finanzmittel nicht ausreichen, erhebt die Bank für eine Überziehung des Kreditrahmens durch den Kreditnehmer Überziehungskosten, die sich aus den gewöhnlichen zusätzlichen Sollzinsen sowie einem Kostenaufschlag darauf zusammensetzen.

Bereitstellungszinsen werden erhoben, wenn ein zugesagter Kredit nicht binnen der vereinbarten Frist abgerufen wird. Dies gilt auch, wenn nur ein Teil des Darlehens – ob zeitweise oder dauerhaft – nicht genutzt wird. Die Bereitstellungszinsen sind in vielen Fällen geringer als die Sollzinsen des Kredites.

Zusätzlich können Bearbeitungsgebühren sowie Vermittlungsgebühren anfallen. Dies ist in der Regel bei Baufinanzierungen auf dem deutschen Markt jedoch nicht der Fall, da der Wettbewerb recht intensiv ist.

Zinsstaffelung

Als Zinsstaffelung wird eine Unterteilung des Darlehenszinssatzes bei einer Hypothekenfinanzierung verstanden, die von der darlehensgebenden Bank in Abhängigkeit von verschiedenen Variablen vorgenommen wird. Zinsstaffelungen kommen dabei regelmäßig in Hinblick auf die Bonität des Kreditnehmers sowie in Bezug auf den Beleihungsauslauf, der bei einem Bau- oder Erwerbsvorhaben zu verzeichnen ist, zur Anwendung. Dabei gilt, dass der Darlehenszins umso günstiger ist, je besser die Bonität des Kreditnehmers beurteilt wird und je geringer der Beleihungsauslauf des Vorhabens ist.

Die Kreditwürdigkeit eines Antragstellers wird anhand von dessen Eigenauskunft, die Aufschluss über das Einkommen, den Vermögensstatus und die Gefahr eines Arbeitsplatzverlustes gibt, sowie anhand von Datenbeständen einschlägiger Wirtschaftsauskunfteien, wie etwa der Schufa in Wiesbaden, bemessen. Die Schufa stellt dabei der Bank einerseits Daten über das frühere Zahlungsverhalten des Antragstellers zur Verfügung und berechnet andererseits einen Scorewert, der die statistische Wahrscheinlichkeit angibt, mit der ein Kreditnehmer seinen Verbindlichkeiten ordnungsgemäß nachkommt. Der Scorewert setzt sich aus unterschiedlichen Variablen zusammen, die im Detail nicht bekannt sind, da die Schufa sich in dieser Hinsicht auf ihr Geschäftsgeheimnis beruft. Jede Bank nimmt eigene Unterteilungen des Kreditnehmers in verschiedene Bonitätsklassen vor und bemisst daran den Darlehenszinssatz. Fällt die Bonität zu gering aus, kann – auch bei grundpfandrechtlich besicherten Darlehen – die Bank auch das Zustandekommen eines Darlehensvertrages ablehnen.

In Hinblick auf den Beleihungsauslauf geht die Bank ähnlich vor und setzt in ihrem Preisverzeichnis Schwellenwerte fest, die zu einem Aufschlag auf den Basiszins führen. In der Regel wird bei einem Beleihungsauslauf von mehr als 60 Prozent ein Aufschlag vorgenommen, der für die gesamte ausgereichte Kreditsumme gilt. Ab etwa 76 Prozent Beleihungsauslauf wird ein weiterer Aufschlag vorgenommen, gleiches gilt dann bei rund 95 Prozent, wobei die exakten Schwellenwerte bei verschiedenen Banken variieren können.

Um sich ein individuelles Angebot unterbreiten zu lassen, müssen Verbraucher das Gespräch mit ihrer Bank suchen, da sich die Bonitätseinstufung anderweitig nicht ermitteln lässt.

Stillhaltergeschäft

Stillhaltergeschäfte werden am Devisenmarkt getätigt. Der Stillhalter verkauft dabei eine Option auf steigende oder fallende Wechselkurse und erhält dafür im Gegenzug vom Käufer der Option eine Prämie. Steigt oder fällt der Kurs des zugrundeliegenden Währungspaares über bzw. unter das Niveau, auf dem Ausübungspreis des Geschäfts liegt, erlangt die Option einen inneren Wert. Der Stillhalter muss dann bei Ausübung durch den Inhaber die gewünschte Währung zum vereinbarten Wechselkurs liefern. Entwickelt sich der Wechselkurs nicht entsprechend, verfällt die Option am Ende ihrer Laufzeit wertlos. In diesem Fall hat der Stillhalter ein gutes Geschäft gemacht: Er kann die Prämien in vollem Umfang vereinnahmen, ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen.

Im Bereich von Immobilienfinanzierungen sind Stillhaltergeschäfte dann von Bedeutung, wenn Kredite in einer anderen Währung aufgenommen werden und zusätzlich zu dem Zinsvorteil, der dadurch realisiert wird, weitere finanzielle Vorteile erlangt werden sollen. Auf die Währungspositionen des Kreditnehmers werden dann Call- und Put-Optionen geschrieben. Die Prämien, die dafür erzielt werden, können zur schnelleren Tilgung des aufgenommenen Darlehens dienen. Geht die Rechnung auf, lassen sich durch diese Vorgehensweise in der Tat erhebliche Teile der Tilgungsleistung abdecken. Im Gegenzug sind Stillhaltergeschäfte immer mit einem nicht unerheblichen Risiko verbunden, da es unmöglich ist, die künftige Entwicklung von Wechselkursen am internationalen Devisenmarkt vorauszusehen und auch Verluste eintreten können.

Der Kreditnehmer führt Stillhaltergeschäfte in aller Regel nicht selbst durch, sondern überlässt dies dem Anbieter der Fremdwährungsfinanzierung, der in Kooperation mit Devisenhandelsunternehmen oder Banken ein aktives Währungsmanagement umsetzt und dabei verschiedene quantitative Modelle zur Prognose künftiger Kursentwicklungen und zur Steuerung und Begrenzung des Risikos einsetzt. Die Theorie, auf der der Einsatz von Stillhaltergeschäften basiert besagt, dass die große Mehrheit der geschriebenen Optionen verfällt, sodass Stillhalter letztendlich die besseren Geschäfte machen.

Der Einsatz von Stillhaltergeschäften bei der Immobilienfinanzierung ist allerdings in Fachkreisen umstritten, da aufgrund der langen Laufzeit dieser Engagements auch Randrisiken in Betracht gezogen werden müssen, die die Finanzierung gefährden können.

Steuereffekt

Als Steuereffekt werden ganz allgemein alle Auswirkungen der Besteuerung auf ein Immobilienvorhaben bezeichnet. Dabei werden sowohl zu zahlende Steuern als auch mögliche steuerliche Vorteile bei der Konzeption einer Immobilienfinanzierung berücksichtigt. Welche steuerlichen Effekte ein Bau- oder Erwerbsvorhaben betreffen, richtet sich nach der Art der Nutzung des Objektes. Selbst genutzte Immobilien werden vom Gesetzgeber anders behandelt als Objekte, die zur Vermietung an Dritte bestimmt sind.

Immobilien, die zur Eigennutzung durch den Eigentümer bestimmt sind, werden vom Gesetzgeber nicht in größerem Umfang steuerlich gefördert. Lediglich die Nutzung der Eigenheimrente, die die Entnahme von Guthaben aus staatlich geförderten Altersvorsorgeverträgen zwecks der Immobilienfinanzierung vorsieht, kann zu einer steuerlichen Entlastung führen. Die Einzahlungen können bis zu einer maximalen Höhe von 2100 Euro jährlich – bei gemeinsam veranlagten Ehegatten bis zu 4200 Euro – im Rahmen des Sonderausgabenabzugs steuerlich geltend gemacht werden. Der Steuereffekt bezieht sich dabei auf den gesamten Kapitaldienst, der in diesen Rahmen fällt. Unter Umständen müssen aber Teile der eingesparten Steuern im Rentenalter wieder an den Fiskus zurückbezahlt werden.

Immobilien, die nicht der Nutzung durch den Eigentümer selbst sondern der Vermietung an Dritte dienen, werden steuerlich anders behandelt. Die Zinsen, die für das zur Finanzierung aufgenommene Darlehen anfallen, können als Betriebskosten geltend gemacht werden und mindern so das zu versteuernde Einkommen des Eigentümers. Darüber hinaus können Abschreibungen auf den Wert des Objektes vorgenommen werden. Die Mieteinnahmen, die durch die Vermietung des Objektes erzielt werden, sind mit dem persönlichen Steuersatz des Eigentümers zu versteuern.

Steuerliche Effekte haben maßgeblichen Einfluss auf die Nettorendite, die mit einem Vorhaben, das nicht der Selbstnutzung dient, erzielt wird. Je höher der Grenzsteuersatz des Eigentümers ist, desto größer fällt die Ersparnis, die durch die Geltendmachung der Sollzinsen und Abschreibungen realisiert wird, aus. Viele Vorhaben lohnen deshalb erst, wenn ein gewisses zu versteuerndes Einkommen aus anderen Quellen erzielt wird.

Prolongationsangebot

Einige Monate bevor eine Hypothekenfinanzierung ausläuft, unterbreitet die darlehensgebende Bank dem Kreditnehmer in aller Regel ein Angebot für eine Anschlussfinanzierung, mit der die bei Fälligkeit des Kredits verbleibende Restschuld abgelöst werden kann. Die Konditionen des Prolongationsangebots richten sich nach den Bedingungen des Marktes und dem vorherrschenden Zinsniveau bei Krediten für die Laufzeit, die die Anschlussfinanzierung verzeichnet. Kreditnehmer müssen das Angebot der Bank nicht annehmen und können auch zu einem anderen Anbieter wechseln. In vielen Fällen ist der Wechsel die bessere Variante, da Banken bei ihren Prolongationsangeboten häufig schlechte Konditionen veranschlagen.

Kreditnehmer, die ein Prolongationsangebot erhalten, sollten vor einer Reaktion darauf den Markt sondieren und die Zinssätze anderer Banken betrachten. Dabei ist zu beachten, dass bei der Anschlussfinanzierung der Beleihungsauslauf deutlich geringer ist als bei der ersten Hypothek, was zu geringeren Zinssätzen führt, da das Ausfallrisiko für die Bank kleiner ist. Um einen Eindruck davon zu erhalten, welche Konditionen angemessen sind, können Verbraucher einen Finanzierungsvermittler zu Rate ziehen und dessen günstigste Konditionen als Maßstab nehmen. Wird die Anschlussfinanzierung bei einer Direktbank vollzogen, sollten deren Zinsen nicht deutlich über dem besten Zinssatz des Vermittlers liegen. Bei einer Kreditaufnahme über eine Filialbank ist ein zusätzlicher Kostenaufschlag in Kauf zu nehmen, mit dem die persönliche Beratung in Wohnortnähe finanziert wird.

Das erste Prolongationsangebot der Hausbank kann vom Kreditnehmer nachverhandelt werden. Oft ist es in diesem Zusammenhang von großem Vorteil, ein konkretes Angebot eines Wettbewerbers zum Gespräch mit dem Bankberater mitzubringen und diesem so eine Benchmark zu setzen. Nicht selten lassen sich Banken auf verbesserte Konditionen ein. Die Kreditinstitute bieten dadurch Kunde, die sich besonders um gute Konditionen bemühen, geringere Zinssätze. Dieses Vorgehen ist üblich und kann als Segmentierung der Klientel verstanden werden: Je preissensitiver der Kunde sich gibt, desto besser sind seine Konditionen.

EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) fungiert als Zentralbank des gesamten Euroraums. Ihre Anteilseigner sind die nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten. Die EZB übernimmt eine Vielzahl komplexer Aufgaben: Hierzu zählen die Steuerung der Geldmenge unter Berücksichtigung realwirtschaftlicher Entwicklungen, die Wahrung der Preisniveaustabilität sowie gegebenenfalls gezielte Interventionen auf dem Devisenmarkt. Für Kreditnehmer im Bereich der Immobilienfinanzierung ist die EZB von herausragender Bedeutung, da sie das Zinsniveau in der Eurozone maßgeblich bestimmt. In regelmäßigen Sitzungen entscheidet der EZB-Rat über die geldpolitische Ausrichtung. Durch die Senkung oder Anhebung der Leitzinsen beeinflusst die Notenbank direkt die Konditionen auf dem Interbankenmarkt, was wiederum Auswirkungen auf die Zinssätze für langfristige Immobiliendarlehen hat.

Determinanten der Zinsentscheidungen

Die EZB orientiert sich bei ihren Zinsentscheidungen an verschiedenen ökonomischen Kennzahlen, wobei die Entwicklung der Inflationsrate im Euroraum einen besonderen Stellenwert einnimmt. Die Zentralbank strebt eine jährliche Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an. Liegt die Inflation deutlich über diesem Zielwert, folgt in der Regel mittelfristig eine Anhebung der Leitzinsen. Durch die Verteuerung des Geldes wird dieses knapper, was dem Preisdruck entgegenwirkt. Zinssenkungen sind hingegen zu erwarten, wenn keine inflationären Gefahren erkennbar sind und sich gleichzeitig die konjunkturelle Lage eintrübt. In solchen Phasen versucht die Zentralbank, durch eine Lockerung der Geldpolitik und günstigere Kredite wirtschaftliche Impulse zu setzen. Für Bauherren und Käufer bieten sich in diesen Zeiträumen oft die attraktivsten Konditionen für ihr Finanzierungsvorhaben.

Strategische Beobachtung der Geldpolitik

Wer eine Immobilie finanzieren möchte, sollte die öffentlichen Äußerungen der EZB-Ratsmitglieder aufmerksam verfolgen. Oftmals enthalten diese Stellungnahmen subtile Signale über künftige geldpolitische Schritte. Mit einer vorausschauenden Beobachtung dieser Entwicklungen lassen sich die Finanzierungskosten unter Umständen deutlich reduzieren, indem ein günstiger Zeitpunkt für den Abschluss des Darlehens gewählt wird.

FAQ

Wie wirkt sich eine Leitzinserhöhung der EZB konkret auf meinen Immobilienkredit aus?

Eine Erhöhung der Leitzinsen verteuert die Refinanzierung der Banken, was diese in der Regel durch höhere Zinsen für Neukredite an ihre Kunden weitergeben. Bestehende Kredite mit fester Zinsbindung bleiben davon unberührt, während sich variable Darlehen unmittelbar verteuern können.

Warum ist die Inflationsrate für die EZB so entscheidend?

Die EZB hat das vorrangige Mandat, Preisstabilität zu gewährleisten, da eine zu hohe Inflation die Kaufkraft schwächt und die wirtschaftliche Stabilität gefährdet. Indem sie die Zinsen bei hoher Inflation anhebt, bremst sie die Nachfrage und stabilisiert so den Wert des Euro.

Können die Zinsen für Baudarlehen bereits steigen, bevor die EZB den Leitzins offiziell erhöht?

Ja, die Märkte für langfristige Zinsen nehmen zukünftige Entscheidungen der EZB oft vorweg, sobald sich eine Änderung der Geldpolitik abzeichnet. Erwartet der Markt eine baldige Zinserhöhung, steigen die Zinsen für Hypotheken meist schon Wochen oder Monate vor dem eigentlichen EZB-Beschluss.

EONIA

Das Kürzel EONIA steht für „Euro Overnight Index Average“ und bezeichnet einen zentralen Referenzzinssatz auf dem europäischen Interbankenmarkt. Er definiert sich als das gewichtete Mittel der Zinssätze für unbesicherte Tagesgeldausleihungen zwischen Kreditinstituten. In die Ermittlung fließen die Daten zahlreicher bedeutender Banken aus dem Euroraum ein. Der EONIA dient als wichtiges Barometer für die kurzfristige Zinsentwicklung und besitzt zudem eine gewisse Aussagekraft für Hypothekenfinanzierungen, da die Trends bei kurz- und langfristigen Krediten in den meisten Wirtschaftsphasen korrelieren.

Ermittlung und Veröffentlichung des Zinssatzes

An jedem Bankarbeitstag melden 43 Institute aus dem gesamten Euroraum bis spätestens 18:30 Uhr ihre durchschnittlichen Zinssätze für unbesicherte Ausleihungen sowie die entsprechenden Transaktionsvolumina an die Europäische Zentralbank (EZB). Die EZB berechnet aus diesen Meldungen einen Durchschnittszins, wobei zur Vermeidung von Verzerrungen die jeweils höchsten und niedrigsten 15 Prozent der Werte eliminiert werden. Die Ergebnisse werden anschließend an die Nachrichtenagentur Reuters übermittelt, sodass die aktuellen EONIA-Daten in der Regel bereits vor 19:00 Uhr öffentlich zur Verfügung stehen.

Einfluss auf Finanzprodukte und Baufinanzierungen

Vom EONIA werden vielfältige Finanzprodukte abgeleitet. Auch Baufinanzierungen können in gewissem Umfang an die Entwicklung dieses Interbankenzinses gekoppelt sein, wenngleich hierfür primär der EURIBOR als Referenz dient. Besondere Relevanz besitzt der EONIA bei der Bemessung von Bereitstellungszinsen. Da Banken bereits genehmigte, aber noch nicht abgerufene Darlehen tageweise am Geldmarkt anlegen, orientiert sich deren Rendite eng am EONIA. Ein Anstieg dieses Zinssatzes führt somit zu höheren Kosten für Kreditnehmer, die ihre Mittel verspätet abrufen, während ein sinkender EONIA eine finanzielle Entlastung bewirkt.

Zentralbankpolitik als entscheidender Faktor

Die geldpolitische Ausrichtung der Zentralbank übt einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des EONIA aus. Im Gegensatz zu längerfristigen Zinssätzen reagiert der EONIA jedoch fast ausschließlich auf tatsächliche Zinsentscheidungen. Da es sich um einen Übernachtzins handelt, sind künftige Markterwartungen in diesem Zinssatz nicht eingepreist, was ihn zu einem reinen Abbild der aktuellen Liquiditätssituation am Geldmarkt macht.

FAQ

Was unterscheidet den EONIA vom EURIBOR?

Während der EONIA den Zinssatz für Leihgeschäfte mit einer Laufzeit von nur einem Tag abbildet, bezieht sich der EURIBOR auf längere Zeiträume wie mehrere Wochen oder Monate. Zudem basiert der EONIA auf tatsächlich getätigten Transaktionen des Tagesgeldbereichs, während der EURIBOR die Konditionen für verschiedene Fristigkeiten widerspiegelt.

Welche Rolle spielt die EZB bei der Berechnung des EONIA?

Die EZB fungiert als zentrale Sammelstelle für die Datenmeldungen der teilnehmenden Banken und führt die statistische Berechnung des gewichteten Durchschnitts durch. Nach der Bereinigung um Extremwerte leitet sie den finalen Wert zur Veröffentlichung an Nachrichtenagenturen weiter.

Warum ist der EONIA für private Kreditnehmer relevant?

Obwohl er ein Interbankenzins ist, beeinflusst er indirekt die Konditionen von kurzfristigen Krediten und die Höhe von Bereitstellungszinsen bei Bauvorhaben. Änderungen des EONIA geben zudem frühzeitig Aufschluss über die allgemeine Zinstendenz im Euroraum, die zeitversetzt auch langfristige Darlehen betreffen kann.

Riester-Darlehen

Als Riester-Darlehen wird im Bereich der Baufinanzierung die Nutzung der 2008 vom Gesetzgeber eingeführten Eigenheimrente verstanden. Es handelt sich dabei streng genommen nicht um eine besondere Kreditvariante, sondern lediglich um die Inanspruchnahme staatlicher Förderungen. Vertragsguthaben sowie laufende Einzahlungen in staatlich geförderte Rentenversicherungen werden dabei direkt zur Finanzierung selbstgenutzten Wohneigentums herangezogen. Der Rentenvertrag selbst bleibt in dieser Variante leer und akkumuliert kein Kapital.

Der Vorteil für Kreditnehmer, die die Eigenheimrente bei ihrer Finanzierung nutzen, liegt in den staatlichen Förderungen. Diese setzen sich aus Zuschüssen, die direkt in die Verträge einbezahlt werden und somit der Tilgung dienen und aus steuerlichen Vorteilen zusammen. Um die Förderungen nutzen zu können, müssen Vertragsinhaber vier Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens in einen zertifizierten Vertrag einzahlen. Maximal müssen pro Jahr 2100 Euro abzüglich der Zuschüsse eingezahlt werden, minimal – wenn kein Einkommen erzielt wird – nur 60 Euro. Die Einzahlungen können steuerlich in voller Höhe als Sonderausgabe geltend gemacht werden. Die Eigenheimrente ermöglicht damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik, den Kapitaldienst für selbstgenutzte Immobilien von der Steuer abzusetzen.

Neben der steuerlichen Förderung zahlt der Fiskus jedem Vertragsinhaber 154 Euro Grundzulage im Jahr. Darüber hinaus werden für jedes Kind jährlich weitere 185 Euro gezahlt. Kinder, die nach dem Jahr 2007 zur Welt gekommen sind, berechtigen sogar zu 300 Euro pro Jahr. Die Förderquote der Eigenheimrente beläuft sich je nach individuellem Steuersatz mitunter auf mehr als 50 Prozent.

Werden die zur Baufinanzierung entnommenen Vertragsguthaben und Einzahlungen nicht bis zum Rentenbeginn wieder zurückbezahlt, kann eine Steuerschuld gegenüber dem Staat entstehen. Die Verträge werden auf einem so bezeichneten Wohnförderkonto fiktiv weitergeführt und mit zwei Prozent im Jahr verzinst. Das auf diese Weise bei Renteneintritt zur Verfügung stehende fiktive Vertragsguthaben muss dann entweder auf einen Schlag oder in monatlichen Intervallen mit dem persönlichen Steuersatz des Rentners versteuert werden. Begleichen Vertragsinhaber die anfallenden Steuern sofort, erlässt der Fiskus 30 Prozent der Schuld.