Deflation

Als Deflation wird ein in der gesamten Volkswirtschaft signifikant absinkendes Preisniveau verstanden, dass durch eine Veränderung des Austauschverhältnisses von Geld und Waren gekennzeichnet ist. Deflation ist dementsprechend rein technisch betrachtet das Gegenteil von Inflation, hat allerdings in der Finanztheorie einen anderen Stellenwert. Während inflationäre Tendenzen als üblich angesehen werden, steht die Deflation in dem Ruf, schädliche Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung auszuüben. Dabei wird in der neueren Wissenschaft insbesondere auf die Konsumzurückhaltung verwiesen, die zu einer signifikanten Verlangsamung des BIP-Wachstums führt.

Deflation wird anhand von Preisindikatoren gemessen. In der Eurozone wird dazu der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) genutzt, der von der europäischen Statistikbehörde Eurostat berechnet und publiziert wird. In der Bundesrepublik existiert darüber hinaus ein Verbraucherpreisindex des statistischen Bundesamtes. Deflation ist dabei definiert als ein Absinken des Preisindikators gegenüber dem vorherigen Betrachtungszeitraum, wobei eine strikte Abgrenzung zu Disinflation, die sich als Absinken des Preisniveauanstiegs versteht, notwendig ist.

Deflation bedeutet für Schuldner, dass die reale Last einer Immobilienfinanzierung wächst und ist demensprechend nachteilhaft für Bauherren. Im schlimmsten Fall führt eine dauerhafte und signifikante deflationäre Entwicklung, die mit sinkenden Nominallöhnen einhergeht, zu einer flächendeckenden Überlastung von Kreditnehmern und damit zu einem reihenweisen Ausfall ausgereichter Darlehen. Eine derartige Situation kann gravierende volkswirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringen.

In der Vergangenheit ereigneten sich verschiedene Vorfälle deflationärer Art. Die Weltwirtschaftskrise, die ihren Ausgangspunkt in dem Börsencrash von 1929 nahm, war gekennzeichnet von einer außerordentlich starken Deflation. In der jüngeren Vergangenheit war insbesondere Japan geprägt von einem rückläufigen Preisniveau; die japanische Volkswirtschaft litt denn auch lange Zeit unter einer ausgeprägten Wachstumsschwäche.

Die Notenbanken sind aufgrund der beschriebenen Gefahren, die von anhaltender Deflation ausgehen können versucht, durch Maßnahmen monetärer Art ein Absinken des Preisniveaus zu verhindern. Insbesondere wird dazu eine Ausweitung der in einer Volkwirtschaft umlaufenden Geldmenge genutzt, die durch entsprechende Offenmarktoperationen erreicht wird.