Die Möglichkeiten einer Immobilienfinanzierung sind vielfältig und können sich zum Teil sehr komplex gestalten. Viele Bauherren in spe fühlen sich geradezu erschlagen angesichts der Vielzahl und Vielfalt der Angebote. Wer dann auch noch kaum über Finanzwissen verfügt, glaubt nur allzu gern einem Berater, der zu vermeintlich absolut sicheren Finanzierungsformen rät. Immer wieder gern wird beispielsweise eine Finanzierung mit Tilgungsersatzleistungen empfohlen. Aber ist das wirklich immer die beste Option?
Das Handelsblatt berichtete in seiner Samstags-Ausgabe, dass durchschnittlich jedes zehnte Konzept zur Baufinanzierung darauf aufbaut, dass rund 85 Prozent der Tilgungsleistungen in Bausparverträge, Lebensversicherungen oder fondsgebundene Versicherungen fließen. Die Versicherungsexperten raten häufig mit dem Argument dazu, dass die Tilgungsleistungen somit während des gesamten Tilgungszeitraumes eine Rendite erwirtschaften können, die die Tilgungslast letztendlich reduziert. Das angesparte Kapital soll nach Ende der angedachten Laufzeit das Darlehen ablösen können. Der Ansatz ist nicht schlecht, hat aber einen Haken: Die Verzinsung der Spareinlagen ist relativ gering und unterliegt zum Teil sogar relativ heftigen Schwankungen, etwa bei fondsgebundenen Versicherungen. Dieser Risikofaktor wird bei der Kalkulation in der Regel nicht angemessen berücksichtigt. Trotzdem raten viele Finanzierungsexperten zu einer Finanzierung mit Tilgungsersatz: Im Gegensatz zu herkömmlichen Darlehen verdienen sie hier doppelt.
Angehenden Bauherren kann nur geraten werden, eine direkte Tilgung zu leisten und auf Tilgungsersatz zu verzichten. Nur so kann die restschuld zügig und sicher abgetragen werden. Wer die Abtragung beschleunigen möchte, kann dies mithilfe von Sondertilgungen leisten, die mittlerweile häufig sogar vereinbart werden können ohne dass Zusatzkosten anfallen. Wer sich auf eine Finanzierung mit Tilgungsersatz verlässt könnte dagegen in die unangenehme Situation geraten, dass das Darlehen zum Ende der Laufzeit nicht vollständig abgelöst werden kann, was eine Nachfinanzierung erforderlich macht.
