Die Leitzinssenkung der EZB hat die Zinsen für Anlagen und Darlehen deutlich nach unten rutschen lassen, Baufinanzierungen sind dabei aber nicht zwingend günstiger geworden. Zwar sind Baudarlehen aktuell so günstig wie schon seit drei Jahren nicht mehr zu bekommen, die Angebote der Finanzierer sind allerdings für einem „Idealkunden“ ohne Sonderwünsche zugeschnitten. Die Banken an sich gehen gerade in Zeiten, in denen sie möglicherweise Probleme mit der Refinanzierung eines Darlehens haben, sehr konservativ in der Einschätzung ihrer Kunden vor. Mit Risikoaufschlägen versuchen sie, ihr Verlustrisiko zu minimieren.
Risikoaufschläge werden immer dann erhoben, wenn ein Kunde vom „Idealbild“ eines Bauherrn abweicht, wenn also zum Beispiel nicht viel Eigenkapital vorhanden ist oder eine deutlich längere Laufzeit gewünscht wird. Als Folge der Finanzkrise erhöhten einige Banken ihre Risikoaufschläge bereits, andere zogen sich sogar vollständig aus dem Baufinanzierungs-Geschäft zurück. So stiegen beispielsweise bei mindestens fünf Finanzierern die Risikoaufschläge für Darlehen mit einem Beleihungsauslauf von mehr als 80 Prozent, unter ihnen die BW-Bank mit einem Plus von 0,13 Prozent, die DSL-Bank mit 0,18 Prozentpunkten mehr und die Münchener Hypo mit einem Mehr von sogar 1,14 Prozent. Ihre Aufschläge begründen die meisten Institute mit dem gestiegenen Risiko einerseits und der teureren Refinanzierung andererseits.
Unter den Banken, die sich aus dem Geschäftsbereich vollständig zurückgezogen haben, sind beispielsweise die BNP Paribas und die Immobank direkt, eine Tochter der WestLB.
Trotzdem empfehlen Experten Bauherren, die ein bestimmtes Objekt im Auge haben oder demnächst eine Anschlussfinanzierung planen, möglichst zeitnah eine Finanzierung mit langfristiger Zinsbindung abzuschließen. Nur so kann von den aktuellen, im Vergleich zu den Vorjahren trotzdem günstigen Bauzinsen profitiert werden.
