Der richtige Zeitpunkt für lange Zinsbindungsfrist

Im Zuge der Finanzkrise und der damit verbundenen mehrmaligen Leitzinssenkung im Euroraum sanken auch die Zinsen für Baufinanzierungen. Das erklärt sich damit, dass sich der Leitzins zwar an sehr kurzfristigen Darlehen orientiert, seine Höhe jedoch auch großen Einfluss sowohl auf andere wichtige Referenzzinssätze wie den EONIA als auch direkt auf die Zinsgestaltung bei langfristigen Darlehen ausübt.

Für Bauherren bedeutet das: Sichern Sie sich jetzt das aktuelle Zinsniveau. Wer jetzt eine Baufinanzierung zu dem derzeit sehr niedrigen Zinssatz abschließt, sollte eine möglichst lange Laufzeit wählen. So kann von den günstigen Konditionen noch in fünfzehn Jahren und mehr profitiert werden, wenn das Zinsniveau längst wieder gestiegen ist. Und auch wenn eine lange Zinsbindungsfrist in der Regel mit einem Aufschlag verbunden ist: Der Aufschlag ist aktuell vergleichsweise gering und verteuert das Darlehen nicht signifikant. Wer sich für eine Zinsbindungsfrist von lediglich zehn Jahren oder weniger entscheidet, riskiert dagegen eine deutliche Verteuerung seines Projektes Eigenheim.

Die sonst empfohlene Vorgehensweise, Zinsbindungen für maximal fünf bis zehn Jahre festzuschreiben, wäre also möglicherweise ein teurer Fehler. Aber selbst wenn das Zinsniveau in den kommenden Monaten und Jahren weiterhin sehr niedrig oder sogar niedriger als heute ausfallen sollte, ist eine lange Zinsbindung zum jetzigen Zeitpunkt keineswegs verkehrt: Eine Zinsbindung von mehr als zehn Jahren ist flexibler als viele glauben. Jeder Darlehensnehmer in Deutschland hat das Recht, sein Darlehen nach zehn Jahren Vertragslaufzeit mit einer Frist von sechs Monaten vollständig oder teilweise zurückzuführen – einer günstigen Anschlussfinanzierung steht also auch dann nichts im Wege.

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