Deutschland entwickelt sich immer mehr zu einer Nation der Baumuffel. Wo andere Immobilienmärkte unter immer weiter steigenden Preisen leiden und sich Makler, Bauunternehmen und Finanzierungsinstitute über gefüllte Auftragsbücher freuen können, dümpelt der deutsche Häusermarkt seit mehreren Jahren vor sich hin. In letzter Zeit verzeichnen Experten sogar sinkende Preise für Immobilien sowie eine ständig schrumpfende Zahl neuer Baugenehmigungen. Was so manchen Bauunternehmer bereits seit einiger Zeit die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, hat nun auch die Kreditinstitute und Banken erreicht.
Mit der sinkenden Nachfrage nach Immobilien und Wohneigentum lässt auch das Interesse der Bevölkerung an entsprechenden Finanzierungsprodukten nach. Immer weniger Deutsche wollen sich mit einem Darlehen zur Finanzierung des Eigenheims belasten. Gegenüber den ersten Monaten des Jahres 2006, in denen noch mehr als 35 Mrd. Euro für Baufinanzierungen bereitgestellt wurden, ist diese Summe in diesem Jahr auf gerade einmal 28,5 Mrd. Euro geschrumpft. Inzwischen macht sich diese negative Entwicklung bei der Neu- und Anschlussfinanzierung auch in den Geschäftsabschlüssen der Banken bemerkbar. Immer mehr Institute verzeichnen einen Rückgang der Erträge in ihren Bilanzen.
Dabei ist ein Teil der Misere hausgemacht. Eine Umfrage kommt zu dem Schluss, dass allein 25% der Befragten aus Angst auf eine Baufinanzierung verzichten und befürchten, dass der Vertrag irgendwann an einen ausländischen Investor verkauft wird. Daneben drückt die Streichung der Eigenheimzulage auf die Stimmung am Immobilienmarkt. Erschwerend kommt zudem der Zwang zur Refinanzierung vieler Immobilienbanken hinzu – in Zeiten der Finanzkrise befinden sich diese Kreditinstitute in einer schlechten Position. Banken mit einem hohen Eigenkapitalanteil haben hier wesentlich bessere Chancen. Aber trotz der positiven Bilanzen einiger weniger Institute kann die grundsätzliche Stimmung am Immobilienmarkt nur als schlecht bezeichnet werden.
