Deutschland ist bald um ein Finanzierungsprodukt für Immobilien reicher – zumindest dann, wenn man den Banken glaubt. Aber anders als bei einer gewöhnlichen Baufinanzierung handelt es sich bei der Zielgruppe hier nicht um zukünftige Eigenheimbesitzer. Die neue Darlehensvariante trägt den Namen „umgekehrte Hypothek“ und richtet sich vor allem an ältere Hausbesitzer. Was hierzulande vollkommen neu klingt, wird im englischsprachigen Raum bereits seit einiger Zeit praktiziert und hat auch durchaus eine nützliche Seite bewiesen. Unter dem Begriff des Reverse Mortgage werden hier Kredite an Personen verliehen, die bereits das Rentenalter überschritten haben.
Zwar bietet ein Haus Sicherheit im Alter, allerdings verursacht der Unterhalt auch erhebliche Kosten. Und diese lassen sich mit einer kleinen Rente nicht immer tragen – speziell dann, wenn zusätzliche Pflegeaufwendungen für die Bewohner notwendig werden. Genau an dieser Stelle setzt die umgekehrte Hypothek an, denn sie ergänzt die private oder staatliche monatliche Rente. Der Ablauf eines solchen Darlehens gestaltet sich wie folgt: Der Kredit wird durch die Bank nicht in einem Stück ausgezahlt, sondern in monatlichen Raten. Und mit jeder dieser einzelnen Auszahlungen sinkt der Wert des Hauses immer weiter, die Hypothek wächst dagegen im gleichen Umfang.
Sollte der Darlehensnehmer sterben, besteht für die Hinterbliebenen entweder die Möglichkeit der Schuldentilgung oder des Verkaufs der Immobilie. Im letzten Fall würde die Differenz zwischen Kreditsumme und Kaufpreis den Erben zufließen. Ob der Markt für diese Form der Finanzierung inzwischen reif ist, bleibt abzuwarten, da in Deutschland weite Teile der Eigenheimbesitzer neue Schulden sicher ablehnen und im Ernstfall erst alle anderen Geldquellen ausschöpfen. Wer allerdings im Lauf seines Lebens kinderlos geblieben ist und die eigene Immobilie nicht vererben will, zieht aus der umgekehrten Hypothek sicher so manchen Vorteil.
