Die Zinssätze auf dem deutschen Markt für Immobilienfinanzierungen sind in den zurückliegenden Tagen leicht angestiegen. Nach Angaben des führenden Vermittlers für Hypothekenfinanzierungen, dem in der bayrischen Landeshauptstadt München ansässigen Finanzdienstleister Interhyp, müssen Kunden bei guter Bonität und gesichertem Einkommen für ein Darlehen mit einem Beleihungsauslauf von sechzig Prozent beim günstigsten Anbieter derzeit 4,9 Prozent im Jahr effektiven Jahreszins zahlen. Vor rund zwei Wochen war eine identische Finanzierung noch für rund 20 Basispunkte weniger zu bekommen.
Experten sehen in dem jüngsten Anstieg der Hypothekenzinsen allerdings keinen Anlass zu Besorgnis. Signifikante Verschlechterungen der Konditionen sind nach Einschätzung beinahe aller Volkswirte derzeit außerordentlich unwahrscheinlich, da sich die Konjunktur merklich abschwächt und die Europäische Zentralbank demnach kaum Spielraum zu Zinserhöhungen hat. Vielmehr gehen viele von einem rückläufigen Zinsniveau in den kommenden 12 Monaten aus, da sich aufgrund der rezessiven wirtschaftlichen Entwicklung und dem absehbaren Ende der Hausse an den Rohstoffmärkten die Inflationsrate deutlich reduzieren dürfte.
Die Zinsstruktur im Euroraum ist nach wie vor außerordentlich flach, so dass langfristige Finanzierungen nur unwesentlich teurer sind als solche mit einem kurzfristigen Horizont. Nach Angaben von Interhyp beläuft sich die Sollzins-Differenz zwischen einem Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung und einem mit Festschreibung der Konditionen über 25 Jahre auf weniger als einen halben Prozentpunkt. Wer nicht mit sinkenden Zinsen in der Zukunft rechnet und gegenwärtig auf der Suche nach einen Neu-oder Anschlussfinanzierung ist, kann somit für lange Zeit günstige Zinsen in Anspruch nehmen, ohne für die dadurch verbesserte Planungssicherheit hohe Kosten in Form von Aufschlägen auf den Sollzins zahlen zu müssen.
