Vollfinanzierung – lohnt sich das?

Die Zeiten, in denen der Erwerb einer selbstgenutzten Immobilie mit dem Bedarf an einer ausreichenden Eigenkapitaldecke verbunden war, sind nicht nur in den Vereinigten Staaten vorbei. Es ist heutzutage problemlos möglich, den Einzug in die eigenen vier Wände auch bei mäßiger Liquiditätslage zu realisiere. Dabei werden nicht nur bis 100 Prozent der Erwerbs- oder Baukosten finanziert – auch die Erwerbsnebenkosten werden von vielen Geldhäusern vorgestreckt.

Eine Vollfinanzierung ist für jene attraktiv, die sofort in ihr Eigenheim einziehen möchten, dabei allerdings nicht über die notwendigen Eigenmittel verfügen. Die Kehrseite des schnellen Glücks: Eine Vollfinanzierung stellt eine erhebliche Belastung des Haushaltsbudgets dar und kann nur von Beziehern mit weit überdurchschnittlichem Einkommen komfortabel bestritten werden: Raten von mehr als 2000 Euro monatlich sind keine Seltenheit bei Vollfinanzierungen.

Als weiterer Nachteil entpuppt sich der Zinsaufschlag, der an die darlehensgebende Bank zu entrichten ist: Aufgrund des höheren Verlustrisikos (Bei einer eventuellen Zwangsveräußerung werden nur 70-90 Prozent des Verkehrswertes finanziert) verlangen die Geldhäuser eine Risikoprämie, wodurch sich die Gesamtkosten des Darlehens verteuern. Dieser Nachteil kann auch durch die früher entfallene Kaltmiete nicht ausgeglichen werden – bei einem durchschnittlichen Darlehenssaldo von 150.000 Euro über eine Laufzeit von 30 Jahren werden so schließlich 45.000 Euro fällig.

Der Verzicht auf Sparmaßnahmen zum Zwecke der Eigenkapitalakkumulation ist darüber hinaus verbunden mit dem Verzicht auf staatliche Zulagen wie etwa die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage.

Da das Zinsniveau derzeit nicht allzu niedrig ist, lohnt eine Vollfinanzierung aus wirtschaftlicher Sicht nicht. Ob der persönliche Nutzen eines Einzugs in die eigenen vier Wände den Schritt dennoch rechtfertigt, bleibt jedem selbst zu entscheiden.

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  1. […] dass sich zunehmend mehr Immobilienkäufer für den Abschluss einer so genannten Vollfinanzierung entscheiden. Dies bedeutet, dass sie bei der Finanzierung keinerlei Eigenkapital einsetzen, sondern […]

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