Derzeit ist an den Kapitalmärkten ein seltenes Phänomen zu beobachten: Die kurzfristigen Zinsen sind erstmals seit langem wieder höher als die langfristiger Engagements. Diese besondere Situation tritt im Vorfeld einer Rezession auf bzw. in einer Situation, in der die Masse der Marktteilnehmer mit einer solchen in unmittelbarer Zukunft rechnet. Der Grund für die Verschiebung ist in dem Bedürfnis der Anleger zu suchen, die zur Verfügung stehenden Mittel fernab des Aktienmarktes für einen längeren Zeitraum anzulegen, um die Schwächephase unbeschadet zu überstehen. Die inverse Zinsstruktur ist insbesondere in den Pfandbriefanleihen zu beobachten.
Für angehende Eigenheimbesitzer, die unmittelbar vor der Aufnahme eines Hypothekendarlehens stehen, bietet die Situation einige Chancen. Das langfristige Zinsniveau ist trotz der jüngsten Geschehnisse noch immer auf einem akzeptablen Niveau. Eine langfristige Zinsbindung ist entsprechend der Zinskurve gegenwärtig ausgesprochen günstig.
Besonders interessant erscheint die Kreditaufnahme zum jetzigen Zeitpunkt aus Sicht vieler Experten auch angesichts der hohen Inflationsraten. Wer sein Einkommen der Teuerungsrate entsprechend steigern kann (einem Großteil der Bevölkerung gelingt dies erfahrungsgemäß), der kann sich über Realzinsen von drei Prozent im Jahr freuen. Wird die Finanzierung der eigenen vier Wände darüber hinaus mit öffentlichen Darlehen kombiniert, ergeben sich sogar noch günstigere Konditionen.
Wessen Bau- oder Finanzierungsvorhaben noch einige Jahre auf sich warten lässt, der kann mit einem Forward-Darlehen das gegenwärtige Zinsniveau für künftige Darlehen fixieren und so auch später in den Genuss einer günstigen Finanzierung gelangen. Die Kosten dieser Konstruktionen halten sich – wie es die Zinskurve bedingt – derzeit in einem vertretbaren Rahmen.
Inverse Zinsstruktur: Chance für Bauherren
23. Juni 2008 Von Schreibe einen Kommentar
