Die Zeiten, in denen die Finanzierung der eigenen vier Wände ausschließlich unter Einbringung eines ausreichenden Eigenkapitalanteils möglich war, schienen vorbei zu sein: Vor nicht allzu langer Zeit boten Banken Vollfinanzierungen an, bei denen nicht nur der gesamte Kaufpreis, sondern darüber hinaus auch die Erwerbsnebenkosten und in einigen Fällen sogar Teile der Inneneinrichtung finanziert wurden. Im Extremfall ergaben sich so Fremdkapitalquoten von 120 Prozent.
Die amerikanisch anmutenden Verhältnisse wurden von den Entwicklungen ihres Ursprungslands wieder aus dem Markt verdrängt. Die Finanz- und Hypothekenkrise, die zu Beginn des Jahres die Finanzmärkte rund um den Globus erschütterte, hinterließ auch in den deutschen Immobilienfinanzierungen ihre Spuren.
Vollfinanzierungen sind, wenn überhaupt, zu äußerst ungünstigen Konditionen zu haben. Die Aufschläge sind beträchtlich und belaufen sich auf bis zu zwei Prozentpunkte. Darüber hinaus bewilligen die Banken die Rundum-Finanzierung nur sehr ungern. Einige Anbieter zogen sich zu Beginn des Jahres ganz aus dem Markt für Vollfinanzierungen zurück.
Grund für den Unwillen der Banken ist die gesunkene Risikotoleranz auf den Märkten für verbriefte Hypothekenkredite, die in den USA teilweise sogar zusammengebrochen sind. Banken verbriefen ausgezahlte Hypotheken und verkaufen sie. Derzeit allerdings lässt sich diese über Jahre verfolgte Praxis nur schlecht umsetzen: Vollfinanzierungen werden so gut wie gar nicht mehr abgenommen – und wenn, dann zu horrenden Abschlägen, die Kreditnehmer mit entsprechend hohen Zinsen bezahlen müssen.
Wer eine Immobilie bauen oder kaufen möchte, dem bleibt bis auf Weiteres nur, genügend eigene Mittel aufzutreiben. Wer nicht darüber verfügt, muss sie ansparen – der klassische Bausparvertrag erfreut sich spiegelbildlich zu den jüngsten Entwicklungen wieder steigender Popularität.
Vollfinanzierungen schwer zu haben
16. Juni 2008 Von Schreibe einen Kommentar
