Geldinstitute, die Baudarlehen vergeben, sehen sich in diesen Tagen häufig Kritik ausgesetzt. Immer wieder wird der Vorwurf laut, die Banken selbst seien für die derzeitige Kreditklemme verantwortlich. Die meisten Banken bestreiten derartige Vorwürfe – die Vergabepraxis spricht jedoch eher für die Kritiker.
Viele Verbraucher entscheiden sich in diesen Tagen für den Bau oder Kauf einer Immobilie, insbesondere wenn sie diesen Wunsch schon länger hegen. Der Grund dafür ist ganze einfach der, dass Immobilie als wertbeständig betrachtet werden und daher als deutlich sicherer gelten als beispielsweise Anlagen in Fonds oder Aktien. Dass die Zinsen derzeit so niedrig sind, spielt bei dieser Entscheidung ebenfalls eine große Rolle: Zum einen sind Baudarlehen zurzeit vergleichsweise günstig zu haben, zum anderen lohnen sich Zinsanlagen angesichts der niedrigen Zinsen kaum. Zusammenfassend kann man sagen: Die Kreditnachfrage ist in den letzten Monaten deutlich gestiegen, die Nachfrage ist gewachsen.
Zeitgleich stellen Banken aber deutlich weniger Kredite im Verhältnis zum Wert der Immobilie, die finanziert werden soll, als noch vor ein paar Jahren bereit. Das zumindest berichtet Dirk Richolt, Finanzdienstleistungsberater bei CB Richard Ellis, in einem aktuellen Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD). Finanzierten die Banken in den Jahren vor der Preisblase noch bis zu 80 Prozent des Kaufpreises ohne Aufschlag, sind es heute zumindest im Neugeschäft häufig nur noch 60 Prozent, in manchen Fällen sogar nur noch 50 Prozent.
Bauherren in spe sind also gut beraten, ausreichend Eigenkapital anzusparen, bevor sie zur Immobilienfinanzierung schreiten. Wer noch nicht über ausreichend viel Kapital verfügt, kann sich die derzeitigen Konditionen per Forward-Darlehen für einige Jahre sichern und bis zum Abruf noch etwas Kapital ansparen, um Kreditkosten zu senken.
